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Magazin: story

Startschwierigkeiten

Stellen Sie sich vor: Eine neue Videospiel-Hardware erscheint, und keiner will sie haben. Der Grund: Zu wenig Spiele! IGM über die Wichtigkeit des richtigen Launch-Lineups und die daraus resultierenden Startschwierigkeiten, Kavaliersstarts oder Rohrkrepierer.

Nach dem siebten Tag: EbbeAlle Jahre wieder beschert uns der liebe Videospielgott eine neue Konsole: Da lockt das imposante Stück Technik mit verheißungsvollen Extras, luxuriösem Grafikchip und Instant-Internetplay, hält seine sexy Chassis in TV-Spots und Magazinwerbung so verführerisch vor die Kamera, dass wir einfach nicht widerstehen können. Wider besseren Wissens und trotz des empfindlich überhöhten Einführungspreises erliegen wir schließlich der Versuchung, schlachten Sparschwein Rosi, fahren zum Händler unseres Vertrauens, und schlagen zu. Aber nach dem ersten wohligen Gefühl, das sich beim Auspacken, Beschnuppern, Bewundern, Verstöpseln und Bespielen einer neuen Hardware immer einstellt, kommt schließlich die Ernüchterung: An den paar verfügbaren Starttiteln haben wir uns längst satt gesehen, und über den Punkt, an dem wir aus schierer Verzweiflung jeden verfügbaren Schrott kaufen, sind auch wir auch längst hinaus. Resultat: Frust. Miese Laune. Staub auf der Konsole.

Jüngst zu beobachten waren solche Probleme beim Start der neuen Handhelds: Nintendo veröffentlicht im März  Der 3DS Hatte zum Launch nur wenig zu lachen: Der 3DS 2011 seinen mit Vorschusslorbeeren überhäuften 3DS, verlässt sich dabei aber dermaßen auf das „DS“-Kürzel und die (zu diesem Zeitpunkt längst abgeflachte) Stereoskopie-Hysterie, dass man es versäumt, dem Neugeborenen eine ordentliche Software-Mitgift zu spendieren. Abseits von „Nintendogs & Cats“ (in gleich drei unterschiedlichen Variationen) und dem ansehnlichen, aber viel zu kurzen „Pilotwings“ sind noch (das allerdings nicht System-exklusive) „Lego Star Wars 3: The Clone Wars“, das Prügel-Diorama „Super Streetfighter IV: 3D Edition“ und das überraschend gute „Ghost Recon: Shadow Wars“ erwähnenswert. Ansonsten erscheint nur Stangenware: Das System-eigene „Splinter Cell“ kann ebenso wenig punkten wie die Neuauflage div. Handheld- und iPad-Games von Gameloft, das routinierte Wiedersehen mit dem „Monkey Ball“-Primaten, wiederholtes Gasgeben auf den „Ridge Racer“-Kursen und das x-te „Rayman“-Remake. Obwohl für das folgende Verkaufs-Fiasko schwerlich das Software-Lineup allein verantwortlich gemacht werden kann, ist die Botschaft, die Nintendo Ende des Jahres bekommt, überdeutlich: Kaum veröffentlicht man Jump‘n‘Run und Kart-Racing um das schnauzbärtige Firmenmaskottchen, schnellen die noch wenige Wochen zuvor katastrophalen Verkaufszahlen nach oben. Die allgemeine Reaktion aus der Branche: „Warum nicht gleich so?“

„Wir schlachten Sparschwein Rosi, fahren zum Händler unseres Vertrauens, und schlagen zu“

Als nächster ist Sony dran: Am 22. Februar des Folgejahres startet man auch hierzulande mit der PlayStation Vita. Aber hat man aus Nintendos Start-Debakel gelernt? Nur bedingt: Das erste „Uncharted“ im Hosentaschenformat ist zwar nicht ganz so gut wie erwartet, kann aber bei der Kundschaft punkten, und ist zusammen mit dem obligatorischen Start-„Wipeout“ sowie einem gelungenen „FIFA“-Kickoff Grund genug für viele, 250 Euro zu latzen.
Vor allem die Gespräche mit vielen Fachhändlern haben uns hier gezeigt: Unmittelbar nach Launch bewegte sich die neue Sony-Hardware manierlich bis äußerst rege, einige Wochen später jedoch hatte jeder „Early Adopter“ mit dem nötigen Kleingeld und Interesse das Gerät bereits gekauft, derweil die seitdem anhaltende Software-Flaute nicht eben zur Belebung des Geschäfts beiträgt. Ergo: Sony hat anfangs ordentlich Zunder gegeben, es dann aber versäumt, ein paar Scheite nachzulegen. Darum wartet jetzt alle Welt auf „Resistance: Burning Skies“, das die Ego-Shooter-Kompetenz der Kleinst-Konsole beweisen soll.