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Magazin: story

Copyright Basis-Bild: Razer
Copyright Basis-Bild: Razer

Stimmung!

Ob düster, fröhlich oder meditativ: Jedes Game hat seine ganz eigene Atmosphäre. Das Game-Design ist aber nicht der einzige Faktor, der die Stimmung beeinflusst: Beleuchtung und Sound in der heimischen "Gamer-Höhle" spielen ebenfalls eine große Rolle. IGM hat sich die passende Hardware und ihre
Präsentation im Handel angeschaut.

Ideen für die Zocker-Höhle gefällig? Auf Webseiten wie mansionglobal.com, designyoutrust.com oder ideastand.com wird man dazu schnell fündig. Glorreiche Fototouren zeigen, wie man das heimische Spielzimmer so richtig tunen kann – ob nun mit Kinosesseln, lebensgroßen Spielhelden, riesigen Wandgemälden oder selbstgebastelten Rahmen für den 4K-Fernseher. Der dafür nötige Zeit- und Materialaufwand ist allerdings beträchtlich – nicht jeder möchte riesige Summen und endlose Stunden ins Höhlen-Tuning stecken, sondern vielleicht lieber in die Games und das Spielen selbst. Diverse Hersteller haben den Trend zu mehr Atmosphäre rund ums Zocken erkannt und bieten entsprechende Produkte an. Womit sich auch gleich noch die Frage nach der Präsentation am PoS stellt.

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Wichtig ist,
dass das Licht entsprechend reagiert
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Ganz vorne dabei in Sachen Atmo-Gaming ist die Firma Razer. Der US-amerikanische Hardware-Hersteller setzt dabei auf beleuchtete Tastaturen, Mäuse, Mausmatten und mehr. "Die Razer Chroma-Technologie gibt es schon seit 2014", sagt Patrick Schröder, PR Specialist (GSA) bei Razer. "Davor gab es Illuminierungen in einzelnen Farben, wie Grün, Blau, Rot oder Orange." Als Weiterentwicklung folgte Razer Chroma mit 16,8 Millionen Farben für Tastaturen und Mäuse. Später kamen dann die Chroma-Effekte hinzu, die ab Werk in Videospiele wie Overwatch, Fortnite oder Doom eingebaut werden. "Mit Philips Hue wurde im Januar 2018 der nächste große Schritt getan, um immersives Gaming auf das nächste Level zu bringen", sagt Schröder. Auf der CES in Las Vegas gaben beide Unternehmen ihre Partnerschaft bekannt. Der Clou: Chroma-fähige Geräte wie Gaming-Notebooks, Peripherals und Zubehör werden mit der Hue-Beleuchtung des Raumes synchronisiert und leuchten dann im Gleichtakt. Das Ganze lässt sich mit wenigen Klicks in der Software Razer Synapse 3 einrichten, die Hue-Bridges im selben WLAN erkennt.

Razer meets Hue
Bei einem PR-Event in Hamburg präsentierten Razer und Philips das Zusammenwirken ihrer Komponenten. Und tatsächlich wirken Shooter wie Overwatch, Fortnite oder Doom mit externer Beleuchtung noch einen Tick eindrucksvoller. Wird man in Doom beispielsweise angeschossen, dann leuchten Tastatur und Hue-Lampen blutrot auf. Läuft man in Quake Champions über ein Health Pack, wird alles blau. In Overwatch wird die Möglichkeit eines Ultimate-Angriffs zunächst durch einen blauen Blitz visualisiert. So lange man diesen Angriff ausführt, spielen die Lichter verrückt; sobald sie ausgehen, lässt sich der Angriff nicht mehr einsetzen. Patrick Schröder erklärt, wie das Ganze technisch funktioniert: "Die Entwickler fügen die Aktion ein, die den Chroma-Effekt auslöst. Das funktioniert über Skripte, die beim Auslösen der Aktion den Beleuchtungseffekt auf allen Razer-Geräten abrufen – seit Januar 2018 auch mit der Philips Hue-Beleuchtung." Hierfür steht Entwicklern das Tool "Chroma Link" zur Verfügung. Darin finden sich fünf virtuelle LEDs, mittels derer sowohl statische Beleuchtung als auch aktionsbasierte Lichteffekte über alle Chroma-fähigen Geräte hinweg integriert werden können. "Am einfachsten sind die Voreinstellungen für die Tastenbeleuchtung", sagt Schröder. "WASD- und die F-Tasten sind gute Beispiele dafür, da diese grundlegend in vielen Spielen sind." Razer spricht frühzeitig mit Herstellern wie Epic Games und Blizzard, damit die Integration der Effekte möglichst schon zum Launch des jeweiligen Spiels klappt. "Mittlerweile unterstützen an die hundert Spiele die Razer Chroma-Technologie", freut sich Schröder. "Wir sind gerade dabei, alle diese Spiele auch mit Hue-Integration auszustatten. Bis jetzt unterstützen schon 40 Spiele Philips Hue, und es werden wöchentlich mehr."

Ein solches Effekte-Feuerwerk wirft aber auch Fragen auf. Zum Beispiel, ob die Zusatzbeleuchtung Gamer nicht am Ende überfordert, statt die Immersion zu verstärken. Brauchen Gamer, die vor einem Bildschirm sitzen, wirklich noch Lichtsignale in der Peripherie – oder kann man sich doch besser auf ein Spiel konzentrieren, wenn alles außerhalb des Bildschirms dunkel ist? Das fragen wir Roland Greule, Professor für Lichttechnik, Lichtdesign und Virtuelle Systeme an der HAW Hamburg, er forscht unter anderem in den Bereichen Farbe/Farbmetrik und wurde von Razer zum PR-Event eingeladen. Greule gibt zu bedenken, dass es natürlich immer zwei Positionen geben wird: Spieler, die auf zusätzliche Farb-Atmo anspringen – und Spieler, die das eher ablenkt. "Wichtig ist, dass das Licht entsprechend reagiert", so Greule. "Früher war das Problem, das es zu langsam war – dadurch wurde man leicht aus der Immersion gerissen. Das passiert heute nicht mehr. Die Leuchten werden heute auch etwas indirekter gesetzt, um das Gefühl von Raum zu bekommen, zum Beispiel durch ein LED-Band unter dem Tisch." Farbige Beleuchtung sei vielen Konsumenten noch gar nicht richtig ins Bewusstsein gekommen, auch nicht beim Thema Smart Home. "Bisher war die Steuerung zu kompliziert, das hat viele abgeschreckt. Aber mit einer einfachen, intuitiven Steuerung wird der Sprung kommen." Greule denkt dabei zum Beispiel an Sprachassistenten, wie wir sie unlängst in unserem Smart-Home-Artikel (IGM 03/2018) vorgestellt haben. Einen weiteren Vorteil aktueller Leuchten sieht der Medien-Prof darin, dass sie nicht mehr wie früher nur RGB-Farben bieten: "Heute wird auch immer eine LED für weißes Licht mit eingebaut. Außerdem ist das Licht heute deutlich intensiver als früher."

Leuchtende Einhörner und Enten
Razer ist natürlich nicht das einzige Unternehmen, das Zusatzbeleuchtung für den heimischen Gaming-Room anbietet. "Ambient-Produkte machen inzwischen einen wichtigen Bestandteil unseres Gaming- sowie Audioportfolios aus", sagt Axel Florizoone, Geschäftsführer der Bigben Interactive GmbH. Die Nachfrage nach individuell einstellbaren Lösungen sei groß, sagt er: "Wir bieten daher verschiedene Produkte in unterschiedlichen Kategorien an." Bei Gaming-Hardware seien dies zum Beispiel die NACON-Produkte. "Je individueller diese Effekte angepasst werden können, umso höher sind die Chancen dieser Produkte im Markt", konstatiert Florizoone. Unter der Marke NACON bietet Bigben Interactive mittlerweile nicht nur beleuchtete Tastaturen und Mäuse an – sondern auch Artikel wie Headsets oder PS4-Controller, die es dem Kunden erlauben, das eigene Spielerlebnis mit der entsprechenden "Lichtnote" zu versehen. "Unsere PS4-Controller in der Light Edition sind ein gutes Beispiel dafür", erläutert Florizoone. "Ein Klassiker hingegen ist unser beleuchtetes NACON Keyboard CL-700OM, das mit einer farbigen Hintergrundbeleuchtung in 16,7 Millionen Farben punktet, die für jede Taste separat eingestellt werden kann." Neben Gaming-Zubehör bietet Bigben Interactive auch Bluetooth-Speaker der Lumin'us-Reihe an, die ebenfalls die passende Beleuchtung im Haus liefern. "Wir erweitern die Lumin'us-Produktfamilie stetig", sagt Florizoone. "Gerade saisonale Produkte und Trendthemen wie unser Lumin'us-Einhorn werden vom Konsumenten nachgefragt." Neu in diesem Sommer werden zusätzlich zwei schwimmende Speaker erhältlich sein, die den Pool mit Sound und individueller Beleuchtung versorgen.

Neben Razer und Bigben Interactive mischt auch die Firma Logitech im Atmo-Markt mit. Zum einen mit mechanischen, beleuchteten Keyboards wie dem G513. Zum anderen aber auch mit dem  Logitech G560 PC Gaming Speaker. Das Lautsprecher-System ist seit April 2018 auf dem Markt und bietet mit 240 Watt einen ganz ordentlichen Wumms. Das Besondere ist aber die G Lightsync Technologie, die das Geschehen in Games, Musik und Filmen mit der RGB-Beleuchtung der Lautsprecher synchronisiert. Lightsync liefert zum Beispiel die passenden Lichteffekte, wenn im Spiel Explosionen stattfinden, Feinde näherkommen, die Spielfigur Schaden erleidet oder geheilt wird. Auch Logitech zeigt also mit dem G560, wie sich die Immersion noch einmal verstärken lässt. Zumal die Lichteffekte den Spielern auch wertvolle Informationen liefern – siehe die nahenden Feinde.

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Niemand
sucht mehr
nach normalen Tastaturen
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Präsentation am PoS
Zusätzliche Licht- und Sound-Effekte besitzen also durchaus Marktpotenzial. Doch wie lassen sich die Vorzüge der Produkte angemessen im Handel präsentieren? Um das herauszufinden, besuchen wir den Saturn Hamburg Altstadt in der Mönckebergstraße. Beim größten Elektrofachmarkt der Welt ist reichlich Platz für Peripheriegeräte: Das Erdgeschoss hat 4000 Quadratmeter Verkaufsfläche, wovon 1500 Quadratmeter mit Zubehör belegt sind; Spiele machen insgesamt 800 Quadratmeter aus. Von Fabian Schmill, Fachverkäufer in der Abteilung Neue Medien, wollen wir zunächst einmal wissen, welche Produkte grundsätzlich nachgefragt werden. "Jugendliche, die ins PC-Gaming einsteigen, haben beim Kauf oft ihre Eltern dabei", erzählt Schmill. "Da geht es dann vor allem um die Top 3, also Maus, Tastatur und Headset. Boxen sind erstmal sekundär und werden eher später dazugekauft." Die meisten Einsteiger geben für ein Headset maximal 70 Euro aus, manchmal auch bis zu 100 Euro: "Zurzeit ist das HyperX Cloud II von Kingston sehr beliebt." Beleuchtete Tastaturen kenne heutzutage jeder: "Niemand sucht mehr nach normalen Tastaturen", so der Fachverkäufer. Nach seiner Einschätzung informieren sich die Kunden bis Anfang 20 vor allem auf YouTube. Bei Zubehör sei der Influencer AlexiBexi besonders bekannt: "Der war auch schon mehrfach bei uns im Markt zu Gast." Ältere Kunden würden eher die Fachpresse lesen oder sich direkt im Laden informieren. "Die Kunden fragen meistens zuerst nach eher günstigen Produkten", erzählt Schmill. "Viele kommen auch ohne klare Vorstellung hierher. Sie haben so einiges gehört, hauptsächlich zu mechanischen Tastaturen, und lassen sich da auch beraten – wie sie aufgebaut sind, welche Vorteile sie haben und welche am besten ist." DIE beste Tastatur gebe es aber nicht, so Schmill. "Das muss für jeden individuell funktionieren – genauso wie bei Mäusen und Headsets."

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Auch die
Kollegen der
PC- und Games-Abteilung
schulen
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Doch wie lässt sich das Atmo-Zubehör nun am besten im Markt präsentieren? Dafür lassen wir Philips selbst zu Wort kommen. "Wir sprechen gerade mit dem Handel und mit Razer, welche Möbel wir brauchen und wie stark die Interaktion sein muss – damit man, wenn man davorsteht, versteht, worum es eigentlich geht", sagt Svenjan Mol, Senior Trade Shopper Marketing Manager bei der Philips Lighting GmbH. "Was da aus unserer Sicht sehr interessant wird, ist das Thema ‚Zweitplatzierung'. Dass man Produktecken hat, und zwar nicht nur bei Razer, sondern zum Beispiel auch bei PC-Zubehör, TV-Geräten und Smart-Home-Partnern." Als Kunde steige man in einen Use Case ein und merke dann, was noch alles möglich sei. "Es geht darum, Neugier zu wecken und Lust auf smarte Beleuchtung zu machen", ergänzt Mol. "Wir helfen den Verkäufern, dies im Kundengespräch entsprechend anschaulich zu erklären. Generell wollen wir ein breites Kundenspektrum erreichen – ob das jetzt Gamer sind oder die normale Kundin, die schönes Licht haben möchte, um ein schönes Ambiente zu schaffen, ohne Komplikationen, ohne schwierige Einrichtung." Philips arbeite derzeit noch an einem Schulungskonzept. "Inzwischen gibt es Verkäufer in komplett neuen Smart-Home-Abteilungen", sagt Mol. "Vorher war es der Zubehör-Verkäufer, der Licht verkaufte, oder der TV-Verkäufer, der Ambilight und Hue koppeln konnte. Jetzt geht es aber darum, auch die Kollegen der PC- und Games-Abteilung zu schulen, die beispielsweise Razer verkaufen."

Atmo gesucht
Macht also ein komplett eingerichteter Gaming-Platz mit Atmo-Beleuchtung im Elektronikmarkt Sinn? Genau das habe man im Saturn Mönckebergstraße schon immer einrichten wollen, sagt Fabian Schmill. "Bisher haben wir das aber noch nicht umgesetzt." Komplette Spiele-PC würde Saturn aber eher auf den einzelnen Industrieflächen aufstellen, ergänzt er. Bleibt also abzuwarten, was sich in Sachen Atmo-Präsentation in nächster Zeit tun wird. Derzeit hat der Markt an der Mönckebergstraße eine große Industriefläche für Razer-Produkte reserviert, auf der wohl entsprechende Demos möglich wären. Auch die G560 PC Gaming Speaker von Logitech hat der Markt im Portfolio. Schmill gibt allerdings zu bedenken, dass die meisten Gamer mit Headsets spielen: "Wer mit Beamer zockt, schließt eher seine Stereoanlage an." Gekauft würden Aktivboxen vor allem von Leuten, die am PC auch Musik hören und Filme schauen möchten, aber keine Lust auf eine fette Stereoanlage haben: "Viele verknüpfen Handy und Boxen per Bluetooth."

Das Thema Gaming-Beleuchtung wird eher eine Spielerei bleiben, schätzt Schmill: "Gamer haben da keinen Fokus drauf." Der Verkaufsleiter sieht die Atmo-Leuchten als ein "typisches Nice-to-have." Nun ist es Sache der Hersteller, aus dem "Nice-to-have" ein "Must-have" zu machen. (feh)