Anzeige

Anzeige

Magazin: story

Tour de France

Just Dance, Rayman, Heavy Rain: Französische Spiele sind in aller Welt bekannt. Als Produktionsstandort hat Frankreich jedoch mit Nachteilen zu kämpfen, und auch der Fachhandel steht mächtig unter Druck.

Kennen Sie Hadopi? Hinter dem Kürzel verbirgt sich eine französische Behörde, die seit 2010 gegen Urheberrechtsverletzungen im Internet vorgeht. Illegale File-Sharer werden von Hadopi nach dem sogenannten Three-Strike-Verfahren verfolgt: Zunächst erhalten die Täter eine Verwarnung per Mail, im Wiederholungsfall eine Verwarnung per Einschreiben, und wenn sie trotzdem unbekümmert weitermachen, wird im dritten Schritt ein vereinfachtes Gerichtsverfahren eingeleitet – die Sanktionen reichen dann von Geldstrafen bis zur zeitweiligen Sperrung des Internetzugangs. Bis Ende 2011 verschickte Hadopi nicht weniger als 750.000 Mail-Verwarnungen an französische Haushalte. Nach eigenen Angaben hatte die Behörde damit durchschlagenden Erfolg, die Raubkopierrate sank um 66 Prozent. Hadopi ist aber nicht nur deshalb umstritten, weil unabhängige Studien weitaus niedrigere Erfolgsquoten erbrachten: Die Behörde sei ein Überwachungs- und Bürokratiemonster, lauten nur zwei der zahlreichen Vorwürfe. Es gibt aber auch einige europäische Politiker, die das Modell am liebsten in ihr eigenes Land exportieren würden: Sie sehen das Three-Strike-Modell als wirkungsvolles Mittel gegen Piraterie.

Das Gesetz, das Hadopi ermöglichte, entstand unter der Regierung Sarkozy. Doch die ist bekanntlich   „Bessere Zusammenarbeit notwendig“ Emmanuel Forsans, AFJV: „Bessere Zusammenarbeit notwendig“ Geschichte: Am 6. Mai wählten die Franzosen den Sozialisten François Hollande zu ihrem neuen Präsidenten. Im Wahlkampf hat sich Hollande beim Thema Digitalisierung deutlich zurückgehalten, stattdessen konzentrierte er sich auf wirtschaftliche und soziale Fragen. Hollandes Aussagen zu Hadopi sind widersprüchlich: Mal kündigte er an, das Gesetz kassieren zu wollen, mal sprach er von einem Ergänzungsgesetz. Welchen Kurs der neue Präsident beim Urheberrecht einschlägt, dürfte auch die französische Spieleindustrie brennend interessieren: Noch 2010 wurde in Frankreich Software im Wert von 1,9 Milliarden Euro raubkopiert, heißt es in einer Studie der Business Software Alliance. Im Präsidentschaftswahlkampf waren Videospiele nur eine Randnotiz: Hollande outete sich in einem Interview als Fan von Fifa und Super Mario – das letzte Mal habe er allerdings vor Jahren mit seinen nunmehr erwachsenen Kindern gespielt. Der UDF-Kandidat François Bayrou konnte die französischen Gamer da schon mehr beeindrucken. Auf bayrou.fr ließ der Politiker den berühmten Konami Code einbauen: Nach Eingabe der Cheat-Kombination erblickt der Besucher eine Website im 8bit-Stil.

Flexibilität gefragtDer Spielebranche wäre es wohl lieber gewesen, die Kandidaten hätten auf derart oberflächliche Zuneigungsbekundungen verzichtet – und sich stattdessen lieber zum Forderungskatalog der Spielergewerkschaft Syndicat National du Jeu Vidéo geäußert. Der SNJV schlägt in dem Mitte März veröffentlichten Dokument deutliche Töne an. „In unserem Land ist die Videospielproduktion in einem kritischen Zustand“, heißt es da beispielsweise. „Als Folge der voluntaristischen Politik unserer kanadischen, südkoreanischen, australischen und irischen Konkurrenten hat Frankreich in den letzten zehn Jahren 5000 Arbeitsplätze verloren und ist bei der Produktion vom weltweit fünften auf den siebten Platz abgerutscht.“ Um konkurrenzfähiger zu werden, bräuchten die französischen Spielefirmen flexiblere Arbeitsgesetze, dauerhafte Steuererleichterungen und besseren Zugang zu Investitionskapital, so der SNJV. Anderenfalls werde man in Frankreich bald nur noch Spiele aus anderen Ländern konsumieren: „Dies wird unser Handelsdefizit verstärken und – wie in anderen Kulturindustrien – das Erfolgsmonopol den asiatischen und US-amerikanischen Produktionen überlassen.“

Der Appell klingt dramatisch, und er muss wohl auch dramatisch klingen, wenn er Politikerohren erreichen soll.   „Ein Pool von Talenten“ John Parkes, Ubisoft: „Ein Pool von Talenten“ Ganz so schlimm ist es um den Produktionsstandort Frankreich dann doch nicht bestellt – das räumt SNJV-Präsident Nicolas Gaume in einem Interview mit rudebaguette.com ein. „Im traditionellen Games-Bereich haben wir nach wie vor viele Leader“, sagt Gaume – und meint damit natürlich in erster Linie die Firma Ubisoft, aber auch prominente Entwickler wie Quantic Dream (Heavy Rain), Asobo (Pixar-Spiele), Cyanide (Game of Thrones) oder die mittlerweile zum US-Konzern ZeniMax gehörenden Arkane Studios, die mit Dishonored derzeit ein heißes Eisen im Feuer haben. Darüber hinaus gibt es in Frankreich eine ganze Reihe von Spielefirmen, die jenseits des Heimkonsolenmarktes tätig sind. Bei Smartphone-Games ist das neben dem Giganten Gameloft beispielsweise die Firma Bulkypix (Hysteria Project), bei Facebook-Spielen sind Kobojo (Pyramidville) und IsCool Entertainment (Wordox) vorne mit dabei, bei MMORPGs hat sich die Firma Ankama mit Dofus und Wakfu einen Namen gemacht.

Laut SNJV gibt es in Frankreich rund 250 Spielefirmen, vier Fünftel sind Mitglied des Verbandes. Insgesamt bietet die französische Spielebranche rund 5000 Arbeitsplätze, davon 3000 in der Produktion. Bemerkenswert ist, dass 70 Prozent der Spieleproduktion für den Export bestimmt sind – und das, obwohl es nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Newzoo in Frankreich rund 24 Millionen aktive Spieler gibt. Der landesweite Umsatz mit Videospielprodukten lag 2011 bei 2,7 Milliarden Euro (SNJV).