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Magazin: story

Copyright Basis-Bild: igor_kell/stock.adobe.com
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Vier Jahreszeiten

Das junge Jahr muss sich ganz schön anstrengen, wenn es inhaltlich mit 2018 halbwegs mithalten will. Gerade auf politischer Seite ist ja zuletzt irrsinnig viel passiert – die ersten Auswirkungen sind nun 2019 zu besichtigen. Im großen IGM-Jahresausblick nehmen wir Sie mit auf eine Reise in die kommenden vier Jahreszeiten: Ereignisse, die schon jetzt ihre Schatten voraus werfen.
Das erste Quartal: Neuheiten-Feuerwerk zum Jahresstart
Das erste Quartal 2019 ist gleichzeitig das vierte und letzte Quartal im Finanzkalender vieler börsennotierter Publisher aus Japan und den USA. Was wiederum erklärt, warum gerade zwischen Januar und März oft wichtige Titel erscheinen, die auf den letzten Metern den Umsatz veredeln sollen. In der Vergangenheit hat das regelmäßig gut geklappt, wie das im März 2017 veröffentlichte Far Cry 5 zeigt. Los geht es bereits am 11. Januar mit der Switch-Neuauflage New Super Mario Bros U Deluxe, Ende Januar erscheinen dann Resident Evil 2 (Capcom), Tropico 6 (Kalypso Media) und das Rollenspiel Kingdom Hearts 3 (Square Enix). Das in Mainz entwickelte Ubisoft-Aufbauspiel ANNO 1800 und das Midprice-Spinoff Far Cry New Dawn (beide Ubisoft) kommen im Februar, ebenso wie der Deep-Silver-Shooter Metro Exodus und das Action-Rollenspiel Anthem von Electronic Arts. Für den März sind schließlich Devil May Cry 5 (Capcom) und The Division 2 (Ubisoft) angekündigt. Insbesondere das Action-Segment ist also weiterhin heiß umkämpft, zumal DLCs, Erweiterungen und Season Passes für erfolgreiche Herbst-Neuheiten wie Call of Duty: Black Ops 4, Battlefield 5, Assassin's Creed Odyssey oder Red Dead Redemption 2 ja weiterhin be- und erworben werden.

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Geht ja gut los: 2019 startet
mit vielen Blockbustern
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Der Rest des Spielejahres 2019 von April an aufwärts – hier sind bis dato nur Mortal Kombat 11 (Warner / April), Days Gone (Sony / April) und Rage 2 (Bethesda / Mai) fix – ist noch etwas nebulös, was aber keinen Anlass für übermäßige Besorgnis darstellt. Denn die Abstände zwischen Ankündigung und Veröffentlichung werden tendenziell kürzer – was auf der E3 2019 im Juni erstmals als Trailer gezeigt wird, steht wenige Monate später schon im Regal oder Online-Store. Ausnahmen sind Ausnahme-Titel wie Sonys The Last of Us 2, das bereits 2016 vorgestellt wurde und möglicherweise 2019 erscheint.

Das zweite Quartal: Frühlingserwachen und Computerspielpreis
Im Berliner Admiralspalast wird am 9. April der amtliche Deutsche Computerspielpreis verliehen, zum mittlerweile elften Mal. Die konkrete Höhe des Preisgeldes ist noch offen, aber die 560.000 Euro des Vorjahres dürften erneut erreicht werden. Die DCP-Gala gleicht traditionell einem Schaulaufen der deutschen Games-Branche, zumal auch internationale Produktionen prämiert werden – dafür gibt's allerdings kein Geld. Das gesellschaftliche Großereignis ist in diesem Jahr turnusgemäß in die Games Week Berlin eingebunden, die sich selbst gamesweekberlin schreibt und nennt. Das umfangreichste Games-Festival des Landes besteht aus einer ganzen Reihe von Veranstaltungen, darunter die unverwüstliche Entwicklerkonferenz Quo Vadis.

Spannend wird sein, wie sich in diesem Jahr die E3 2019 in Los Angeles präsentiert. Denn die gefühlte Weltleitmesse wird im Juni erstmals ohne Sony Interactive stattfinden – andere Spielehersteller zaudern ebenfalls, zumal sich Electronic Arts und Microsoft zuletzt in Hallen außerhalb des Messegeländes einmieteten. Nintendo verlässt sich ohnehin auf vorproduzierte Videobotschaften und bedient damit virtuos die sozialen Netzwerke. Gut möglich, dass die E3 trotzdem als Kulisse für die Ankündigung neuer Konsolen-Modelle oder zumindest dezenter Facelifts genutzt wird, die (noch) weniger Stellfläche oder Strom verbrauchen. PlayStation 4 Slim und Xbox One S sind immerhin schon seit Herbst 2016 auf dem Markt, auch die Nintendo Switch geht bereits in ihr drittes Jahr. Spekuliert wird insbesondere über abgespeckte, günstige Geräte, die ohne das energie- und kostenintensive Bluray-Laufwerk auskommen. Für den stationären Handel und Versender wäre der Einstieg in reine Download- und Streaming-Modelle eine böse Nachricht, weil der Anteil physischer Produkte zwangsläufig weiter zurückginge.

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Spekuliert wird insbesondere
über abgespeckte, günstige Geräte
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Nur wenige Tage nach der E3 (genauer vom 27. bis 30. Juni) will die KoelnMesse mit der brandneuen Comic Con Experience Cologne eine weitere Publikumsmesse etablieren, die bei sommerlichen Temperaturen möglichst Zigtausende Besucher anziehen soll. Neben Ausstellern aus dem Bereich Popkultur und Anime buhlt die Messegesellschaft auch um Kundschaft aus dem Games-Sektor.

Das dritte Quartal: gamescom 2019 läutet Weih­nachts­geschäft ein
Wie viel Wachstum verträgt die gamescom? 370.000 Besucher waren es 2018, ein neuerlicher Rekord. Wenn die Ausrichter bei Ausstellerzahl, Fläche und Internationalität draufsatteln wollen, müssen Konzepte weiterentwickelt und in Teilen neu gedacht werden. Das gilt nicht zuletzt für die Business Area, zumal die gamescom ihren Nimbus als Ordermesse ja schon vor einigen Jahren verloren hat. Auch die Anmutung der Entertainment Area könnte sich wandeln: Die Bilder vom komplett überrannten Fortnite-Stand haben bei manchem Publisher die Frage aufkommen lassen, ob die Idee von mehreren hundert Spielstationen und stundenlangen Warteschlangen im Jahr 2019 noch zeitgemäß ist.

All diese Überlegungen dürften auch eine gewichtige Rolle spielen bei den laufenden Vertragsverhandlungen zwischen KoelnMesse und Verband, die 2019 zu einem Abschluss kommen sollen. Dem Vernehmen nach soll möglichst frühzeitig feststehen, wo und wie es mit der gamescom ab 2020 weitergeht. Klar ist: Das Land NRW und die Stadt Köln wollen das Event um (fast) jeden Preis in der Domstadt halten.

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Mittelfristig soll
ein The Witcher oder Battlefield made in Germany entstehen
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Bei der Tagesreihenfolge der gamescom 2019 müssen Sie als Aussteller oder Fachbesucher im Übrigen nicht umlernen: Los geht es am Sonntag (18.8.) und Montag (19.8.) mit der Entwicklerkonferenz Devcom, am Dienstag (20.8.) ist Fachbesucher- und Medientag, und von Mittwoch bis einschließlich Samstag ist das Gelände für das Publikum zugänglich. Die Business Area ist wie gehabt von Dienstag bis Donnerstag geöffnet. Falls Sie als Aussteller dabei sein wollen: Bis zum Valentinstag (14.2.) gelten die rabattierten Frühbucher-Tarife.

Ein gamescom-Heimspiel haben natürlich die vielen deutschen Studios und Publisher, die sich meist kumuliert in einer Halle präsentieren – zumeist auf Gemeinschaftsständen und regionalen Standortinitiativen. Bis zum August 2019 dürfte auch der Zeitplan für die Einführung der Games-Förderung auf Bundesebene stehen: Nach aktuellem Stand können sich Spiele-Entwickler ab dem Herbst 2019 erstmals um Fördermittel von 50 Millionen Euro bewerben, die dann nach Möglichkeit bis Jahresende bewilligt und kurz darauf ausgezahlt werden. Das Geld soll die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Studios verbessern, Investitionen befördern, Arbeitsplätze schaffen und die ersehnten "Leuchtturmprojekte" ermöglichen – kurzum: Mittelfristig soll ein The Witcher oder Battlefield made in Germany entstehen.

Das vierte Quartal: Blockbuster unterm Tannenbaum
Call of Duty, FIFA, Pro Evolution Soccer, vielleicht ein neues Battlefront oder Need for Speed: Das Weihnachtsgeschäft 2019 startet unmittelbar nach der gamescom und wird wie schon in den Vorjahren von den großen Blockbustern und Fortsetzungen überstrahlt. Einige dieser Neuheiten wird man auch auf mehreren Messen anspielen können, die insbesondere den Coregamer ansprechen. Anfang Oktober findet die MAG Erfurt 2019 statt, am ersten Novemberwochenende folgt die EGX Berlin 2019.

Falls Sie sich wundern, dass das Thema Virtual Reality keine tragende Rolle in diesem Ausblick spielt: Es gibt wenig Anhaltspunkte, dass die Nachfrage plötzlich explodiert und zurückhaltende Publisher wie Electronic Arts eine VR-Offensive starten. Die Nische wird bislang von Sony Interactive am erfolgreichsten bespielt, zumal es mittlerweile eine schöne Auswahl an vernünftig bepreisten "Experiences" für die PlayStation VR gibt. Vorerst beendet scheint die Hochpreis-Phase: Zuletzt hat Sony Interactive die Restbestände der PlayStation VR im Paket für unter 200 Euro abgebaut.

Ein ums andere Mal hat Sony bekräftigt, eine langfristige VR-Strategie zu verfolgen. Daher ist es durchaus denkbar, dass bereits 2019 ein Nachfolge-Modell auf den Markt kommt. Die PlayStation VR 2 wird sicher ohne die bislang obligatorische Verkabelung auskommen, dafür aber serienmäßig mit Kamera und neu konzipierten Move-Controller ausgestattet sein.

Nicht ausgeschlossen ist aber auch, dass der nächste Schritt in Sachen VR erst im nächsten Jahr geschieht – mehr dazu dann im IGM-Jahresausblick 2020! (pf)