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Magazin: story

Copyright Basis-Bild: in4mal/stock.adobe.com
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Was können Smart Homes?

Das Stichwort "Smart Home" weckt unterschiedlichste Assoziationen. Die einen denken dabei vielleicht an Rolläden, die automatisch zu bestimmten Uhrzeiten hoch- und runterfahren. Oder an den Kühlschrank, dessen Sensoren merken, dass im Tiefkühlfach gähnende Leere herrscht – und der dann automatisch Pizza nachbestellt. Oder vielleicht auch an die Lampen im Haus, die je nach Temperatur wohlig warmes oder kühlendes Licht spenden. Die Anwendungen sind vielfältig – genauso wie die Vorstellungen davon,
"Smart Home" eine zweiteilige Serie. Im vorliegenden Artikel geht es zunächst um Kundenwünsche und Trends.

Smart Home, Connected Home, Heimvernetzung: 53 Prozent aller Deutschen haben laut einer Bitkom-Studie (Januar 2017) schon einmal von diesen Begriffen gehört. Eigentlich kein besonders hoher Anteil, wenn man bedenkt, dass diese Buzzwords schon seit geraumer Zeit durch unsere Konsumkanäle schwirren. Von den genannten 53 Prozent besitzen laut Studie 30 Prozent mindestens ein Smart-Home-fähiges Gerät. Holen wir kurz Luft und zählen einmal auf, was das alles sein kann. Nun denn... Heizungsanlagen, Thermostate, Beleuchtung, Alarmanlagen, Smart-TVs, Musikanlagen, Lautsprecher, Webradios, Rolläden, Markisen... nicht zu vergessen Stromzähler, Schließanlagen, Video-Überwachung, Gartengeräte und Haushaltsgeräte (Staubsauger, Kühlschrank etc.). Oha.

Teilweise unbekannt
Schauen wir uns die Ergebnisse etwas genauer an. Immerhin 44 Prozent der "Smart-Home-Kenner" aus der Bitkom-Studie planen in den nächsten zwölf Monaten weitere Anschaffungen, zuvorderst Smart-Fernseher (36 %), Musikanlagen oder Lautsprecher (33 %), Heizungskomponenten (31 %) und Beleuchtung (29 %). Ihre bisherigen Smart-Home-Geräte haben die Befragten vor allem aus folgenden Gründen gekauft (Mehrfachnennungen möglich): dem Streben nach mehr Sicherheit (61 %), nach mehr Komfort und Lebensqualität (57 %) und nach Einsparungen durch mehr Energieeffizienz (50 %). Weniger wichtig erscheint den Befragten die Möglichkeit, im Smart Home selbstbestimmt zu altern (10 %). Und auch der Spaß am Basteln und an Technik (5 %) ist kein wichtiger Grund, sich Smart-Home-Komponenten anzuschaffen. Wie aber lassen sich all diese Facetten bündig zusammenfassen? Eine Definition liefert Timm Lutter, Bereichsleiter Consumer Electronics & Digital Media bei Bitkom: Er bezeichnet "Smart Home" als "Oberbegriff für technische Verfahren und Systeme in Wohnhäusern, in deren Mittelpunkt die Erhöhung von Wohn- und Lebensqualität, von Sicherheit und effizienter Energienutzung steht – und das alles auf Basis vernetzter und ferngesteuerter Geräte, Installationen sowie automatisierbarer Abläufe". Die Definition verdeutlicht: Unter "Smart Home" fallen auch sämtliche vernetzbaren Geräte, die Gamer zwecks Zockens in ihrer Wohnung stehen haben: Konsolen, PCs, Handhelds, der angeschlossene Bildschirm oder Beamer und natürlich die Musikanlage, deren Sound dem Ganzen erst so richtig Schmackes verleiht.

‚Smart Home'
kann alles Mögliche sein

         
Blicken wir aber kurz zurück in die Begriffsgeschichte: Nicht immer war "Smart Home" der Terminus, unter dem sich alles subsumierte. "Der ursprüngliche Begriff ‚Heimautomation' ist schon alt, darüber habe ich schon vor 10 Jahren etwas geschrieben", erzählt uns Nico Jurran, Redakteur der Computerzeitschrift c't. "Damals ging es ganz klassisch um Jalousien- oder Lichtsteuerung, oft nur per Zeitschaltung und Fernbedienung." Die Bezeichnung "Smart Home" habe sich erst durch die Ankunft der Smartphones herausgebildet: "Davor gab es keine preiswerten Eingabemöglichkeiten, bestenfalls PDAs, deren Displays enorm viel kosteten." Smartphones und Tablets hingegen waren Geräte, die sich jeder leisten konnte und die erstmals über Touch-Eingabe verfügten. Außerdem konnte man das Zuhause erstmals per Internet aus der Ferne checken. Durch Bluetooth und Wlan wurde es möglich, Geräte direkt mit dem Smartphone zu verbinden – zum Beispiel Licht oder Heizung. "Inzwischen ist klar: ‚Smart Home' kann alles Mögliche sein", betont Jurran. Auch wenn sich die Urgesteine der Heimautomation bisweilen gegen die vermeintliche Aufweichung des Begriffs sträuben.
Bastelfreuden
Nico Jurran jedenfalls zählt zu den absoluten Experten auf dem Gebiet: Er ist einer der Hauptautoren des Sonderhefts "c't Smart Home", das der Heise Zeitschriften Verlag Ende Oktober veröffentlichte. In dem "Praxis-Guide für intelligentes Wohnen" geht es auf rund 150 Seiten unter anderem um Komplettsysteme, Funkprotokolle, Vernetzungstricks und Sicherheitsfragen. Jurran hat seine gesamte Erfahrung in das Heft einbringen können, er gehört zu den Smart-Home-Pionieren Deutschlands. Aus seiner Sicht ist "Smart Home eine Bastelgeschichte. So ein bisschen wie früher die Modelleisenbahn". Natürlich könne man auch beim Eigenhausbau einen Elektriker beauftragen, ein KNX-Komplettsystem einzubauen: "Darum muss man sich dann nicht mehr großartig kümmern."

Jurran jedoch wählte den Weg des Bastlers – und vernetzte seine Wohnung selbst. Will er zum Beispiel auf seiner Nvidia Shield zocken, dann braucht er dafür nur zwei Sprachkommandos: "Alexa, schalte den Fernseher ein" und "Alexa, schalte Shield ein". Amazons Sprachassistent teilt dem Fernseher dann mit, dass er auf den Kanal HDMI 1 schalten soll. Außerdem schaltet sich der AV-Receiver ein und wechselt auf den richtigen Kanal. Schließlich sendet Alexa auch ein Signal an die Shield-Konsole, das sie aus dem Schlafmodus aufwachen lässt. Ganz ohne vorherigen Knopfdruck kann der c't-Redakteur dann zocken.

Frickelarbeit
Kein Wunder, dass hinter solchen Abläufen einiges an Frickelarbeit steht. Jurran hat sein Smart Home im Lauf der Jahre nach und nach optimiert. Als Basis dient ein ausgemusterter Mac mini, der im Ruhezustand nur wenige Watt zieht. Der Tüftler macht sich zunutze, dass Amazon Echo eine Steuerung für die Hue-Lampen von Philips besitzt – diese laufen über kleine Steuergeräte, sogenannte Bridges. Normalerweise verbindet eine Bridge die Lampe mit dem Internet und dem restlichen Haus. "Man kann die Bridge aber auch simulieren", sagt Jurran. Echo behandelt den Fernseher dann beispielsweise wie eine Lampe und kann diesen ein- und ausschalten. Um seinen Denon-Receiver zu steuern, schickt Jurran die Befehle von einem kleinen Kästchen (IRTrans) per "IP to Infrarot". Die Shield-Konsole wiederum wacht auf, wenn man ihr bestimmte Codes sendet, ähnlich wie bei "Wake on Lan".

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Alexa, schalte Shield ein
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Das alles ist nur ein kleiner Teil des Systems, das Jurran über die Jahre perfektioniert hat. Wobei er einräumt, dass man seine Anlage heute "wahrscheinlich mit der Hälfte des Geldes und einem Drittel des Aufwands nachbauen kann". Die meisten Nutzer werden aber ohnehin kein Komplettsystem anstreben, zumindest nicht von Anfang an. "Komplettlösungen sind wichtig und vermitteln im Alltag auch ein tolles Lebensgefühl", sagt Bitkom-Experte Timm Lutter. "Gleichwohl sind es oft die kleinen, vernetzbaren Geräte, mit denen das Smart Home in die Haushalte kommt. Man hat eine kleine Webcam für die Haustür, kontrolliert seinen Staubsauger per Smartphone oder seine Lieblingsmusik per Sprachassistent. Dadurch erkennen die Verbraucher die Vorteile eines Smart Home." Viele Konsumenten erleben die Technik auch im Haushalt von Freunden und Verwandten – und beginnen dann selbst mit dem Kauf einzelner Geräte. Lutter gibt zu bedenken, dass der aktuelle Bauboom in deutschen Ballungsgebieten aber auch den Anbietern von Komplettlösungen nützt: "In neuen Wohnhäusern werden entsprechende Leerrohre für Glasfaser verlegt, die ein Smart Home ermöglichen."

Neue Schnittstelle
Sprachassistenten sind derzeit einer der wichtigsten Trends – darüber sind sich die Experten einig. Sprache werde als intuitive Verbindung von Mensch und Computer immer wichtiger, so Lutter. "Die Assistenten stellen eine neue Schnittstelle zwischen Mensch und Internet dar." Zu den aktuell wichtigsten Vertretern der Produktgruppe zählen besagtes Amazon Alexa, das HomeKit von Apple sowie Google Home; auch Microsoft und Samsung haben Eisen im Feuer. Allerdings sind die Marktanteile derzeit noch recht unterschiedlich, betont Nico Jurran: "Schon der alte Amazon Echo beherrschte Smart-Home-Basisfunktionen. Google Home traut sich erst dann auf den deutschen Markt, wenn sie da nachlegen können." Das wird schon Anfang August sein. Sämtliche Sprachassistenten, die jetzt erscheinen, müssen auch eine Smart-Home-Komponente enthalten, sagt Jurran – sonst seien sie nicht wettbewerbsfähig. "Bei der nächsten Ifa werden wir sehen, dass das noch viel stärker zusammenwächst", so der Experte. "Etliche Hersteller von Audio/Video-Receivern und Musikverteilanlagen werden ihre Geräte mit Alexa oder Google Home kombinieren." Man ahnt: Die Zeit des wirklich smarten Heims beginnt gerade erst. (feh)

Teil 2 unserer Smart-Home-Serie erscheint in IGM 12/2017. Darin beleuchten wir einzelne Anbieter, den Handel sowie mögliche Wachstumshürden.