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Magazin: story

Wii wants U

Aus Wii wird Wii U: Mit seinem neuen Flaggschiff eröffnet Nintendo den Ring für die nächste Konsolen-Generation. Aber welche Chancen hat das System, wenn es am 30. November in Europa erscheint? Und was unternimmt Nintendo, damit die Markteinführung erfolgreicher wird als die des 3DS im vergangenen Jahr? IGM analysiert den bevorstehenden Launch und unterhält sich mit Marketing-Chef Frank Rittinghaus.

Am 30. November ist es soweit: Die neue Konsolen-Generation kommt. Und Nintendo feuert den Startschuss ab. Oder genauer: Am 30. November kommt Wii U nach Europa, am 18. in die USA, und Japaner müssen sich bis zum 08. Dezember gedulden. Aber woran liegt's, dass Nintendo die eigenen Landsleute länger warten lässt als unsereins? Ein Blick auf den Kalender gibt Aufschluss: In den USA startet man wenige Tage vor dem 23. November, denn auf den fällt im „Land of the Free“ der diesjährige „Black Friday“. In Europa will man dagegen den ersten großen Weihnachts-Shopping-Run auf die Fußgängerzonen und Malls mitnehmen. Ergo: Die Japaner können ruhig ein paar Tage länger warten, man verwendet die Produktions-Ressourcen zunächst auf die Termin-sensibleren Territorien.

Ausverkauft?Doch kann der Vorbestell-seitige Ausverkauf, wie er Anfang Oktober zu beklagen war, tatsächlich „eine starke Bildunterschrift Der wichtigste Multiplayer-Titel für WiiU kommt ohne Online-Modus aus: „Nintendoland“ Nachfrage“ bestätigen? Nintendos US-Chef Reggie Fils-Aime meint ja, wir dagegen meinen „vielleicht“. Mal ehrlich: Ein Ausverkauf von z.B. zehn Mio. Einheiten wäre stattlich. Aber der Ausverkauf von „wie viel auch immer“ ist dagegen nicht mehr als eine lahme Floskel für die Investoren- und Börsianer-Befriedung. Dabei hat Wii U derartiges Geplänkel eigentlich gar nicht nötig: Nicht nur, dass man mit mindestens einem Jahr Vorsprung vor Microsoft und Sony die neue Konsolen-Generation einläutet, zusätzlich hat man ein ebenso ungewöhnliches wie frisches Controller-Konzept auf seiner Seite. Dass die Verschmelzung eines klassischen Gamepads mit einem Tablet rundum gelungen ist, davon konnte man sich als Fachjournalist bereits mehrfach überzeugen: Das familienfreundliche „Nintendo Land“ ist im Grunde nicht mehr als eine launige Minispielsammlung, zeigt aber hervorragend die Spielarten des neuen Eingabe-Instruments. Auch Ubisofts Untoten-Ego-Hatz „Zombi U“ präsentiert sich hier eindrucksvoll: Ein Spieler gibt per Gamepad den „Dungeon-Master“, während sich seine Mitspieler (vor einer Konsole) mit Hilfe von Classic- oder Pro-Controllern durch die von ihm platzierten Gemeinheiten und Gegnerscharen kämpfen. Das sieht nicht nur gut aus, es fühlt sich vor allem unglaublich frisch an. Die Tatsache, dass Nintendos System auf Seiten der nüchternen technischen Daten eher aufholt denn vorgibt, scheint da kaum von Belang. Zumal es der Hersteller wie kein anderer versteht, genau da zu glänzen, wo der Kunde am einfachsten zu packen ist: Beim haptischen Spielerlebnis. Gameboy, DS, Wii: Am erfolgreichsten war Nintendo immer dann, wenn man eine Hardware servierte, die sich nicht in erster Linie auf ihre virtuelle Ebene verließ, sondern das Erlebte auf neuartige Weise „begreifbar“ machte und mehr cooles Spielzeug als Hardware war.

„Das Wii-U-Gamepad ist nicht in erster Linie Tablet, sondern Controller“

Ein Erfolgskonzept übrigens, mit dem auch Apple kolossal punktet: iPod, iPhone und iPad verdanken ihre Attraktivität dem simplen Umstand, dass wir etwas besonders dann als angenehm empfinden, wenn wir es mit uns herumschleppen und auf diese Weise ganz und gar „zu eigen“ machen können.
„Wir sprechen nie über technische Spezifikationen, da sie in unseren Augen nur insoweit relevant sind, wie sie unserem Ziel dienen, Spielspaß und Überraschung zu erzeugen“, erklärt Nintendos deutscher Marketing-Chef Frank Rittinghaus. Auch die Tatsache, dass Tablets an sich kein Novum mehr darstellen, scheint man nicht als Problem zu werten. Ebenso wenig wie den Umstand, dass Microsoft bald mit „Smart Glass“ kontert oder Sony seine Systeme mit Remote- bzw. Cross-Play-Features zusammenführt.
„Das Wii-U-Gamepad ist nicht in erster Linie ein Tablet, sondern ein Controller“, so Rittinghaus. „Es wurde eigens zum Zweck des Spielens konzipiert. Es liegt perfekt in der Hand und unterstützt das Spielen optimal.“