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Magazin: story

Bildquellenangabe Aufmacher: ©Thorben Wengert  / pixelio.de
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Will Keiner Zugeben

Schmiergeld hat viele NamenWie gesagt: Niemand verteufelt das System WKZ per se. Niemand erwartet von Elektrofachmärkten, Prospekte mit millionenfacher Druckauflage alleine zu finanzieren. Aber wie abstrus Händler überhöhte WKZ-Zahlungen begründen, beweist viel Phantasie. Oder Dreistigkeit. Da sollen Publisher ein Marktjubiläum finanzieren, ein neues Lager, einen Umbau. Fehlt noch, dass des Händlers Tochter eine neue Zahnspange bezuschusst haben will. Als Karstadt und Quelle fusionieren, wird ein Kombirabatt fällig¸ nett als „Konzentrationsvergütung“ verpackt, weil die beiden Ketten ja so wichtig seien. Wir wissen ja, WIE wichtig sie im Spielebereich mittlerweile sind…
Aber auch für eigentlich selbstverständliche Leistungen halten Märkte gern eine Hand auf. Oder beide. Da werden Zuschüsse für Personal verlangt, das die Regale einräumt und säubert – die ganz normalen Regale natürlich, keine Sonderflächen oder -displays. Auch externe Systemdienstleister sind groß darin, Kosten abzuwälzen. Und da sie genau wissen, dass das Platzangebot der Märkte kleiner ist als die Nachfrage, versteigern sie die rare Fläche quasi meistbietend. Das kann man sich leicht ausrechnen – wenn von fünf Metern Regal schon vier vergeben sind, zögert man nicht lange. Man zahlt oder bleibt draußen.

„Es steht oft zu viel Fläche mit zu viel Schrott voll“

Aber wie genau können wir uns das vorstellen? Werden da in verrauchten Hinterzimmern verruchte Deals ausgehandelt, wie in Hollywood? Nein, die WKZ-Verhandlungen laufen ganz offen und selbstverständlich. Oft kommt es nicht einmal auf das Produkt an, um das es geht, sondern nur auf die Mitgift. Als ob man der verkuppelten Tochter nicht mal unter den Schleier guckt. Und wir reden hier nicht über kleine Summen, denn der WKZ kann bis zu satte 20 Prozent der Marge ausmachen – und mehr. Allerdings müssen WKZ-gierige Händler auch aufpassen: Wenn sich die klassische Distribution für einen Publisher immer weniger lohnt, weicht er aus – Richtung Online-Vertrieb. Sei es durch eine eigene Plattform, sei es durch die fast schon klassischen Kanäle wie Steam.

Und wer fordert so hohe WKZs? Es gibt natürlich regionale Unterschiede, einige Märkte sind in einer Region besonders mächtig und können dementsprechend höhere Forderungen stellen. Manche WKZs werden übergreifend ausgehandelt, andere Märkte wiederum verkaufen ihren Regalplatz direkt. Natürlich gibt es Ausnahmen und Marktleiter, die auf Angebot und Nachfrage achten – der Wurm soll ja schließlich dem Kunden schmecken, nicht dem Händler. Aber es sind mittlerweile eben Ausnahmen, denn mit dem Wachstum der Flächenmärkte ist der Konkurrenzdruck größer geworden.

Es wird zu stark auf den WKZ geschielt, der sich eigendynamisch aufgeplustert hat. Dadurch verschiebt sich der Markt – weg von Angebot und Nachfrage, hin zum WKZ-gesteuerten Sortiment. Es ist wie immer eine Frage des richtigen Maßes: Es geht in Ordnung, wenn, sagen wir, 20 Prozent der Regalfläche vom WKZ und 80 nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten bestimmt wären – aber es ist eben oft andersrum. Und genau deshalb steht zu viel Fläche mit zu viel Schrott voll.

Wie ist denn Ihre Meinung zum Thema WKZ? Was für Erfahrungen haben Sie gemacht – ist der WKZ noch sinnvoll, oder wird das System mittlerweile schlicht missbraucht? Schreiben Sie uns an redaktion [at] haddockmedia [dot] de, Betreff „WKZ“. Wir behandeln Ihre Beiträge natürlich gerne anonym!