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Magazin: story

Zugpferd Spiele-Zubehör

Free-to-play, digitale Spiele-Abonnements, Download-exklusive Add-ons, Item-Shops, AppStore, eShop: Der klassische Spiele-Handel wird gehörig in die Mangel genommen vom digitalen Vertriebskonzept. Tatsächlich ist ein reiner Digital-Vertrieb von Spielen technisch zum jetzigen Zeitpunkt möglich. Dabei vergisst man schnell, das der Spiele-Handel kein ausschließlich digitaler ist. Gamepads, Kabel, Headsets, nicht zuletzt Konsolen und Handhelds lassen sich nicht durch DSL-Leitungen quetschen und via 3D-Drucker in die Haushalte befördern. IGM analysiert die Bedeutung des Zubehör-Markts für die gesamte Branche, befragte dazu Hersteller, Handel und Entwickler.

Hinter den Rolltreppen im Erdgeschoss der Saturn-Filiale in der Hamburger Mönckebergstraße stößt der Besucher auf eine Wand aus weißen Rainer Nawratil, Chef der Games-Produktabteilung bei Hama Rainer Nawratil, Chef der Games-Produktabteilung bei Hama Kartons, dahinter befinden sich Tische voller Kabelkram in Blisterverpackungen, während sich seitlich der weißen Wand bunte, Halloween-Kürbis-große Kuscheltiere türmen, die den Vögeln der Spielserie „Angry Birds: Star Wars“ nachgebildet wurden. Dutzende, wenn nicht Hunderte Quadratmeter umfasst die Spiele-Hardware-Abteilung bei Saturn, der Kistenstapel aus Wii-Konsolen ist nur der Auftakt zu einem weitläufigen Areal voller Kabel, Gamepads, DS-Stifte, Taschen, Hüllen und Kopfhörern mit Sprachmikro. „Ist der Zubehör-Bereich in den letzten Jahren gewachsen?“, wollen wir von einem leitenden Saturn-Mitarbeiter wissen. Der schüttelt den Kopf und erklärt, man habe nur mehrmals umgebaut, die Standfläche habe sich in der letzten Zeit kaum verändert. „Allerdings sind Konsolen und Zubehör am Eingang der Abteilung positioniert, denn viele Käufer kommen vorrangig wegen der Hardware in den Laden.“

Grenzen des DigitalvertriebsMit anderen Worten: Die Spiele kann man herunter laden, die Gamepads nicht. Alle Retail-Spiele für 3DS, PlayStation Vita und Wii U gibt es alternativ in den jeweiligen Online-Läden; glaubt man den Gerüchten, so wird Microsofts nächste Konsole kein Laufwerk enthalten, die Spiele werden ausschließlich via Internet auf den internen Speicher gelangen. Aktuell ist der Software-Umsatz im stationären Spiele-Handel deutlich größer als der Umsatz im Digitalvertrieb, doch das kann sich ändern.

„Viele Käufer kommen vorrangig wegen der Hardware in den Laden“

Das Entwicklerstudio Nihilistic („Resistance: Burning Skies“) kündigte an, ausschließlich Download-Titel zu produzieren, Sega schloss im Sommer seine kontinentaleuropäischen Filialen und managt einzig das Download-Geschäft unter eigener Flagge, in den Xbox-360-Charts gehört der Download-ony-Titel „Minecraft“ zu den bestverkauften Spielen des Jahres, und laut STEAM-Chef Gabe Newell wird die lang angekündigte STEAM-Box im nächsten Jahr erscheinen und damit die STEAM-Plattform ins Wohnzimmer bringen, gleich neben PS3 und Wii U. Doch selbst wenn Sony die nächste PlayStation als Download-only-Konsole verkauft und EA zum reinen Online-Publisher mutiert, dann benötigen die Spieler Schutzhüllen und Stifte für ihre PlayStation-4-Controller-Touchscreens, Headsets und Handhelds. Bestätigt wird diese These durch die relative Stabilität des Zubehörmarktes. Während laut aktueller Marktforschung der Spielemarkt in den USAArne Bartels, Vize-Chef Business  Development and Marketing bei Vidis Arne Bartels, Vize-Chef Business Development and Marketing bei Vidis mit zweistelligen Prozentzahlen schrumpft, ist der Rückgang der Umsatzzahlen des Zubehörmarkts maximal einstellig. Roccat, der deutsche Hersteller hochwertiger PC-Spiele-Mäuse und -Tastaturen, konnte seinen Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr beinahe verdoppeln, wie Geschäftsführer René Korte gegenüber IGM erklärt. Axel Florizoone, Marketing-Chef des Zubehör-Herstellers Bigben Interactive, glaubt nicht, dass das Hardware-Segment unter der Software-Flaute im Handel leidet: „Die Art der Distribution von Inhalten zum Konsumenten spielt für uns noch eine eher untergeordnete Rolle.“ Rainer Nawratil, Chef der Games-Produktabteilung beim süddeutschen Zubehör-Hersteller Hama, erkennt ein Wachstum des Segments: „Früher war Spiele-Zubehör in der Computerabteilung mit drei bis vier Produkten präsent. Heute werden in den Retail- Märkten teilweise drei bis fünf Meter Regalfläche für dieses Zubehör angeboten. Auch im Onlinehandel ist auf den Startseiten oder in Weihnachtsaktionen immer wieder PC-Gaming Zubehör in Form von Mäusen, Headsets oder Gamepads zu finden.“ Tatsächlich springen den Betrachter die Wii-U-Angebote an, ruft er die Games-Seite von Amazon auf. In den obersten Rängen der Verkaufscharts des Online-Händlers tummeln sich unter anderem ein Dualshock-Gamepad für die PS3, ein Strom-Adapter für den 3DS und die XL-Version des Handhelds.