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Business News

Marius Hopp, IGM-Herausgeber

Editorial: Divers

Wohin man auch blickt: Überall wird dieser Tage von Diversität gesprochen. Ich finde das gut und wichtig. Was mir allerdings insbesondere hinsichtlich der Geschlechtsunterteilung missfällt, ist die Titulierung. Eine nichtbinäre Geschlechteridentität – man spricht auch von Intersexualität – als divers zu bezeichnen, ist haarsträubend. Da schreibt man sich Vielfalt und Vielschichtigkeit auf die Fahnen und bewirkt durch Kategorisierungen wie diese genau das Gegenteil: Man grenzt aus.

Deutsche Niederlassungen international agierender Unternehmen haben Mütter, die meist in USA oder Asien sitzen. Das ist allgemeiner Sprachgebrauch und gemeinhin anerkannt. Unsere Mutter hat uns das Budget zusammengestrichen, ist ein beliebter Satz auch und gerade in der Gamesbranche. Der Mensch braucht einfach diese klaren Zuordnungen: Muttergesellschaft hier, Vaterland da. Das hört noch nicht einmal beim Herrgott auf. Gott ist ein Mann, soviel ist mal sicher.

Aber wo bleiben bei diesen ganzen Unterteilungen in feminin und maskulin eigentlich die Diversen?

Vielleicht ist Gott ja auch ein Diverser.

Ich mein: Maria hat das Jesuskind via unbefleckter Empfängnis durch den Heiligen Geist bekommen. Als Josef hätte ich mir da so meine Gedanken gemacht. Auf jeden Fall hätte ich mal ein ernstes Gespräch geführt mit der Dame. Gott, der Heilige Geist und all diese Gespenster: Vielleicht alles Diverse?

Mal ernsthaft: Divers klingt einfach nur schlimm. So wie diffus. Bist du sexuell divers oder diffus? Und überhaupt: Wen geht das eigentlich etwas an? Bei Stellenausschreibungen hieß es früher: Baggerfahrer gesucht. Heute heißt es Baggerfahrer*In (m/w/d) gesucht. Menschen mit Behinderung werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt behandelt.

Jeder weiß, dass den Job letztlich der Kalle bekommt und nicht der/die/das Simon(e).

Realität und Anspruch klaffen hier weit auseinander. Hauptsache der Pflicht wurde Genüge getan.

Neulich las ich in einer Stellenanzeige: Wir stellen ein, wer zu uns passt. Vor allem menschlich. Und wer so richtig was kann. Basta.

Fand ich voll gut, weil es einfach voll ehrlich ist. Man wäre ja auch bekloppt, wenn man einen farbigen Diversen mit Gehbehinderung einstellt, nur weil er ein farbiger Diverser mit Gehbehinderug ist. Wenn der farbige Diverse mit Gehbehinderung mega was auf dem Kasten hat, dann stelle ich ihn ein. Und kein heterosexuelles Weißbrot mit Halbmarathon-Affinität. So einfach ist das.

Und mal ehrlich: Was heiß überhaupt divers? Ist jeder Diverse gleich divers oder gibt es unter den Diversen diverse Unterschiede? Kann man Diversität über einen Kamm scheren? Geht es einem dann besser? Und wollen die Diversen überhaupt in eine Schublade gesteckt werden? Müssen die in Restaurants, in Arztpraxen und im Kino künftig auf eine separate Toilette? Und was ist mit Saunen: Männersauna? Frauensauna? Diversensauna? Alle fein säuberlich getrennt?

Denken Sie nur an die Raucher. Die haben auch eigene Zonen bekommen. Auf Flughäfen wird man gar in Glaskäfige gepfercht. Da steht man da neben diesen Rauchern, dem einen fällt gerade ein Bein ab, der andere prustet einem Blut ins Gesicht, wiederum ein anderer fällt einfach um.

Nicht schön sowas.

Und wenn man dann den Glaskäfig gerade noch so lebend verlassen hat, dann wird man von den Nicht-Rauchern argwöhnisch beäugt. Verachtend eher. Schau mal, Kevin, ein Totgeweihter. Man erahnt, wie sich die Leprakranken in früheren Zeiten gefühlt haben müssen.

Ja, unsere Gesellschaft besticht durch Vielfalt.

Jeder hat seinen eigenen Charakter. Jeder seine individuellen Stärken und Schwächen, Vorlieben, Fehler, Neigungen, Ticks und Macken. Und zwar auf der ganzen Welt.

Unterteilt uns gerne in Männlein, Weiblein und Diverse.

Aber vergesst dabei nicht, dass wir alle vor allem nur eines sind:

Menschen.

[Marius Hopp]

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