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Magazin: interview

„Da konnte ich einfach nicht Nein sagen“

Reisende soll man nicht aufhalten, sagt der Volksmund. Auch Hans Ippisch reist gerne. Allerdings nur privat. Beruflich zog es den 49-Jährigen nie weg aus Fürth, dem Stammsitz der Computec Media GmbH, für die er satte 28 Jahre lang tätig war – zuletzt als CEO. Computec und Hans Ippisch: Eine unendliche Geschichte, eine scheinbar unzertrennliche Ehe. Doch manchmal kommt es anders als man denkt. Ippisch wird zum 01. Juli 2019 alleiniger Geschäftsführer der neu gegründeten Intellivision Entertainment Europe GmbH mit Sitz in Nürnberg. Der Auftrag: Das Geschäft um die 2020 erscheinende Konsole "Amico" aufzubauen und zu verantworten. Mit allem drum und dran. Für Hans Ippisch schließt sich damit der Kreis. Ein Interview.
IGM: Hans, einem Unternehmen 28 Jahre lang die Treue zu halten, das schaffen nur wenige. Was hat Dich bewogen, Computec Media und die Marquard Media Group nach all diesen Jahren zu verlassen?

Hans Ippisch: Es ergaben sich in meinem Leben immer wieder Optionen, die ich so nicht geplant oder gar erwartet hatte, welche sich nach reiflicher Überlegung jedoch immer als logischer nächster Schritt herausstellten – so wurde ich beispielsweise Spieleentwickler oder durchlief bei Computec eine Laufbahn, die mich vom freien Mitarbeiter bis zum CEO führte. Als ich Anfang letzten Jahres von Intellivision-Entertainment-CEO Tommy Tallarico in das hochkarätig Advisory Board berufen wurde, um dort mit Ikonen wie David Perry oder Ed Fries beim Konsolen-Projekt "Amico" mitzuwirken, war noch nicht absehbar, was daraus werden würde. Dass ich persönlich den Aufbau der Europa-Division übernehmen werde, zeichnete sich erst Anfang des Jahres ab, als klar wurde, dass in Deutschland die Entwicklung von legendären Spiele-IPs stattfinden wird und ich gefragt wurde, ob ich die Position des "President of European Operations" übernehmen will und die lokale Europa-Niederlassung gründen und führen möchte. Da konnte ich einfach nicht Nein sagen.

IGM: Wenn Du mal Deine Zeit bei Computec Revue passieren lässt: Überwiegen da die Höhen oder die Tiefen?

Hans Ippisch: Das war von Anfang bis Ende eine wunderbare Zeit. Wenn es da nicht auch ein paar Tiefen oder Enttäuschungen gegeben hätte, dann wüsste man ja die Höhepunkte gar nicht richtig zu schätzen. Es war nie langweilig und mangelte nie an Motivation – oder Druck durch den Markt.

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Von Anfang
bis Ende eine wunderbare
Zeit
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IGM: Gibt es Situationen, die Dir besonders in Erinnerung geblieben sind?

Hans Ippisch: In den 28 Jahren passierte so viel, da ist es schwierig, einzelne Dinge rauszunehmen. Der grandiose wirtschaftliche Erfolg von PlayStation Zone und Kids Zone, die erfolgreichen Übernahmen und Integrationen von Golem, 4Players, Medialinx, AreaMobile und Making Games werde ich sicherlich nicht vergessen, schließlich war ich meistens mehrere Jahre hinter diesen Assets her, bevor es dann klappte.

IGM: Wie "hinterlässt" Du Computec Media: Als einen gesunden, auch künftig auf Wachstum ausgerichteten Medienkonzern?

Hans Ippisch: Als ich 2009 Verlagsleiter wurde, lag der Print-Umsatzanteil noch bei etwa 90%. 2018 lag er gerade noch bei 40%, über 50% wurden mit Digital-Geschäft erwirtschaftet. Die Aufgabenstellung, einen klassischen Print-Verlag in ein profitables, für die Zukunft gut gerüstetes Medienunternehmen zu transformieren, haben wir somit gemeinsam sehr gut gemeistert.

IGM: Was passiert mit Deinem Vorstandsmandat beim VZB, dem bayerischen Verlegerverband?
 
Hans Ippisch: Hier muss man abwarten, ob sich eine Konstellation findet, in der ich diese wunderbare Arbeit fortsetzen kann. Sowohl der Verband als auch ich haben daran ein großes Interesse.

IGM: Kommen wir zum US-Unternehmen Intellivision Entertainment, bei dem Du ab dem 01. Juli 2019 die Position des President of European Operations übernehmen wirst. Erzähl uns bitte etwas über diese Firma, die nicht jedem ein Begriff sein dürfte …

Hans Ippisch: Die Intellivision-Konsole war von 1979 bis Anfang der 90er eines der dominierenden Systeme mit über 20% Marktanteil und konnte mit einer Reihe von Premieren die User begeistern – erste 16-Bit-Konsole, erstes System mit Sprachausgabe, erste lizenzierte NBA-/ NHL-/MLB-Spiele, erstes digitales Distributionssystem, größte Softwarebibliothek und vieles mehr. Mit dem 2018 erfolgten Einstieg der Industrie-Ikonen Tommy Tallarico und David Perry wurde das Unternehmen nun neu ausgerichtet und man will mit der "Intellivision Amico"-Konsole die Spielewelt ein weiteres Mal revolutionieren.

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Die Spielewelt
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IGM: Amico wird am 10. Oktober 2020 auf den Markt kommen. Verrate uns bitte die Details zur Hardware ...

Hans Ippisch: Es geht nicht um die Hardware – es geht um die Spiele, den Spielspaß und ein funktionierendes Öko-System für Handel, Entwickler und Publisher. Mit Intellivision Amico wollen wir den Spielspaß in das Wohnzimmer zurückbringen, wir wollen, dass man wieder gemeinsam zusammensitzt und mit der ganzen Familie Spaß hat – Oma mit den Enkeln, Core-Gamer mit dem Onkel, Jugendliche untereinander. Bis zu acht Spieler werden die Games gleichzeitig spielen können.

IGM: Braucht der Markt denn wirklich noch eine neue Konsole?

Hans Ippisch: Noch eine weitere Konsole mit den klassischen Rezepten braucht in der Tat keiner, da machen Nintendo, Sony und Microsoft ihren Job ganz exzellent. Intellivision Amico hat eine ganze andere Konzeption – dafür steht schon der Name "Amico", was auf Italienisch Freund heißt. Die Konsole soll ein Freund der Familie sein.

IGM: Wen siehst Du als euren primären Wettbewerber im Hardwareumfeld?

Hans Ippisch: Wir wenden uns nicht an die 200 Mio. Core-Gamer, sondern an die drei Mrd. Smartphone-Spieler, die Spielspaß zuhause im Wohnzimmer haben wollen. So wie es früher der Fall war, bei Summer Games & Co.

IGM: Mit welcher Anzahl an Hardware darf zum Day One in Deutschland gerechnet werden?

Hans Ippisch: Wir sind noch so weit weg vom Launch, dass sich dazu noch keine seriöse Aussage machen lässt. Am Ende hängt es natürlich von der Nachfrage ab.

IGM: Ein Wort zum UVP?

Hans Ippisch: Auch das ist noch zu früh, aber wir peilen grundsätzlich einen Preis von unter 200 Euro an, die Spiele wird es ab 2,99 Euro geben.

IGM: Und wie steht es um die Software? Welche Entwickler sind bereits an Bord?

Hans Ippisch: Es wird bereits weltweit an herausragenden Spielen gearbeitet, über 22 spielbare Versionen zeigten wir auf der E3 hinter verschlossenen Türen. In Bayern arbeiten bereits sieben Studios an elf verschiedenen Titeln. Genauere Details werden wir in den nächsten
Monaten bis zum Launch bekannt geben.

IGM: Welche Genres werden Software-seitig abgedeckt?

Hans Ippisch: Traditionelle Arcade-Games stehen absolut im Mittelpunkt unseres Portfolios, aber auch mit Education und Health-Themen wollen wir ganz bewusst Segmente bedienen, die es in klassischen Konsolenmärkten nicht mehr gibt – das werden Produkte sein, die Kinder, Eltern und Großeltern gleichermaßen lieben werden.

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Die Konsole
soll ein Freund der Familie sein
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IGM: Amico würde sich also auch für den Einsatz an Schulen eignen?

Hans Ippisch: Absolut! Der Einsatz in Schulen oder auch Kliniken steht bei uns ganz oben auf der Agenda.

IGM: Wie partizipiert der Handel? Rein am Verkauf der physischen Konsole? Oder auch an der Software?

Hans Ippisch: Für den Handel wird Intellivision Amico in allen Bereichen hochattraktiv sein. Hardware, Peripherie, Software – die Verfügbarkeit am Point of Sales ist für ein Home Entertainment System wie Amico enorm wichtig, die vergleichsweise niedrigen Preispunkte erlauben Impulskäufe.

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In allen
Bereichen hochattraktiv
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IGM: Primäre Aufgabe dürfte derzeit für Dich sein, ein möglichst funktionierendes Team um Dich zu scharen …

Hans Ippisch: Der aktuelle Schwerpunkt liegt darin, die hochkarätige Software fertig zu entwickeln, die auch auf der E3 gezeigt wurde und um die ich mich als Producer persönlich kümmere. Hier sind aktuell bereits über 40 Personen in Deutschland beschäftigt, ab Herbst 2019 geht es dann darum, Schritt für Schritt die Infrastruktur für Vertrieb, Marketing und PR aufzubauen.

IGM: Werden diese Abteilungen inhouse aufgebaut oder greifst Du auf externe Strukturen zurück?

Hans Ippisch: Natürlich brauchen wir eine gewisse Grundausstattung an Inhouse-Experten, die dann europaweit mit entsprechenden Agenturen und Dienstleistern zusammenarbeiten. Unser Ziel ist, möglichst schlanke Strukturen zu haben, in denen Experten schnelle Entscheidungen mit Unterstützung aus den USA treffen können.

IGM: Abschließend: Du warst selber einmal Spieleentwickler. Schließt sich da für Dich mit der Geschäftsführung von Intellivision Entertainment ein Kreis, nach dem Motto: Back to the roots?

Hans Ippisch: Ja, genauso fühlt es sich für mich an. Das, was damals mein Leben als Entwickler bestimmte, nämlich darüber nachzudenken, mit welchen Games man die Welt bestmöglich unterhalten kann, steht heute wieder auf der Tagesordnung. Der Unterschied zu damals ist, dass ich in den vergangen Jahrzehnten sehr viel über Medien, Handel, Sales, Online, Digitalisierung, Politik und Verbände gelernt habe, was ich in der neuen Position als President of European Operations perfekt nutzen kann. (Marius Hopp)