Die Urgesteine: Jochen Till, Rockstar Games

IGM-Serie: Seine Games sind die Rockstars unter den AAA-Spielen: Jochen Till kommuniziert für und über Premium-Marken wie Grand Theft Auto und Red Dead Redemption.
01. Februar 2021 - 12:02
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Jochen Till, Rockstar Games

Irgendwann im Laufe des Kalenderjahrs wird Grand Theft Auto 5 auf den Markt kommen – diesmal als optimierte Version für PlayStation 5 und Xbox Series X. Damit erscheint ein- und dasselbe Videospiel auf der mittlerweile dritten Konsolen-Generation – nach PS3/Xbox 360 (2013) und PS4/Xbox One (2014). Jemand, der all diese und viele weitere Releases live miterlebt und -geprägt hat, heißt Jochen Till – seines Zeichens Head of Marketing & PR bei Rockstar Games. Im Herzen Münchens, maximal einen Steinwurf vom Wiesn-Gelände entfernt, befindet sich sein Büro bei der Konzernmutter Take-Two Interactive GmbH.

Nur wenige Studios genießen weltweit solch eine Anerkennung wie Rockstar Games: Die Spiele der Serien Max Payne, Red Dead Redemption und eben GTA sind durch die Bank Bestseller und wurden mit Preisen überhäuft. Dieses Edel-Portfolio ist es auch, das Till am meisten an seinem Arbeitgeber fasziniert. Aber nicht nur: „Ganz besonders das vergangene Jahr hat uns auch gezeigt, dass wir uns auch in schwierigen Zeiten auf unsere Firma verlassen können, wenn man privat Unterstützung braucht.“

Gerne erinnert er sich an die Veröffentlichung von Grand Theft Auto: San Andreas anno 2004 – „ein unglaublicher Meilenstein“ sei das gewesen: „Wir waren auch damals in München ein vergleichsweise kleines Team und die letzten Wochen und Monate vor der Veröffentlichung waren ein ziemlich wilder Ritt. Es war ein unglaubliches Gefühl, als dann der Release-Tag da war. Das Spiel hat damals so eingeschlagen, dass wir bei Store-Checks am Mittag teilweise schon keine Ware mehr vorfanden und manche Händler das POS-Material vorübergehend abbauen wollten, bis die Nachlieferung kam. Sowas hatte ich bis dahin noch nicht erlebt. Insbesondere GTA hat mir seitdem wieder viele besondere Momente beschert – besonders stressig, aber auch besonders schön.“

Seit San-Andreas-Zeiten hat sich natürlich auch das Marketing massiv verändert: „Das Medienangebot ist heute ein ganz anderes und damit auch die Art, wie und wo Medien konsumiert werden. Das bestimmt natürlich auch einen Großteil der Vermarktung von Spielen. Aber auch die Spiele selbst sind heutzutage ja ganz anders angelegt. Die Zeiten, in denen man ein Spiel 'durch' hat und dann beiseite legt, gehören ja immer mehr der Vergangenheit an. Heute geht es ja stark um Spielerlebnisse, die langfristig Spielspaß bieten und ebenso langfristig inhaltlich erweitert werden – sei es im stationären Bereich auf Konsolen und PCs oder auf dem Tablet beziehungsweise Handy, die ja 'damals' als Plattformen für komplexe und aufwendige Spiele noch undenkbar waren.“ Mit den Spielen habe sich auch die Branche gewandelt, sagt Till – nicht nur zum Positiven: „Generell finde ich Umstrukturierungen sehr schmerzvoll, da davon so oft Leute betroffen sind, die ihr Herzblut in ihre Projekte gesteckt haben. Glücklicherweise musste ich das in der Gamesbranche nur einmal selbst miterleben.“

Den Boden seiner bald 20-jährigen Rockstar-Karriere bereitet hat ein Nebenjob bei einem Computerspiele-Versandhändler, den Jochen Till während seiner Schulzeit ergattern konnte: „Damals steckte das Internet noch in den Kinderschuhen und die einzige Möglichkeit, sich zu informieren, waren Videospielzeitschriften, und es gab ganze zwei Geschäfte in München, die Computerspiele verkauften. Der Job war perfekt für mich, da ich mein Hobby dadurch direkt finanzieren konnte.“

Um ein Haar wäre der Marketing-Experte womöglich in einer verwandten Entertainment-Branche gelandet: Nach seinem Studium war er drauf und dran, zu einem großen TV-Sender zu wechseln. „Ich hatte sogar schon eine feste Zusage. Aber als Take-Two Interactive dann einen International Product Manager suchte, konnte ich mir die Chance nicht entgehen lassen und bewarb mich. Und ich bekam den Job!“, erzählt er. „Auf den Arbeitsvertrag des TV-Senders hätte ich vergeblich gewartet. Der kam nie an – ebenso wenig wie eine Absage. Aber rückblickend hätte mir nichts Besseres passieren können.“

Für 2021 wünscht sich Jochen Till, dass „alle Menschen verstehen, dass die Ignoranz von Wenigen die Rückkehr zur (neuen) Normalität für alle verhindert.“ Denn möglichst bald will er mit der Familie auch wieder reisen – zuvorderst nach Sardinien, dem Lieblings-Urlaubsziel seiner Tochter, „trotz aller Versuche, sie für meine Vorliebe für Vergnügungsparks zu begeistern.“ Jene Freizeitparks sind es auch, die es ihm am meisten angetan haben – plus eine selbst für Branchenverhältnisse bemerkenswerte Leidenschaft für das Thema Star Wars. So widmet er seine Freizeit unter anderem dem Nachbau originalgetreuer Kostüme. Doch bis Disneyland, Legoland und Universal Studios wieder Besucher empfangen dürfen, gilt Tills ganze Aufmerksamkeit dem Launch des alten/neuen GTA 5 – und es gibt keine Zweifel daran, dass der Dauerbrenner auch 2021 zu den fünf meistgekauften Spielen des Jahres gehört. Wieder einmal. (pf)

 

 

 

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