IGM-Serie "Urgesteine": Martin Lorber, EA

Seit 17 Jahren spricht er für und über Electronic Arts – im PR-Bereich eine halbe Ewigkeit. Noch sehr viel länger währt seine Leidenschaft für die Musik: In seiner Freizeit zieht Martin Lorber deshalb ganz andere Saiten auf.
28. Mai 2021 - 12:50
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Martin Lorber, Electronic Arts

Von Beschäftigten im Sport- und Games-Business heißt es ja gelegentlich, es seien überwiegend Fans, die es durch glückliche Zufälle über die Bande geschafft hätten. Bei Martin Lorber lief die Sache anders: Freimütig räumt er ein, dass er zu Beginn seiner Karriere keinerlei Erfahrung mit der Branche hatte: „Ich kam damals aus dem Kulturbereich, hatte beim SDR in Stuttgart volontiert, ein paar Jahre im gemeinsamen Kulturprogramm von SDR und SWR gearbeitet, danach Öffentlichkeitsarbeit der Kölner Philharmonie geleitet. Ich bin froh, dass man mir trotzdem eine Chance gegeben hatte.“ Eine Stellenausschreibung in der Wochenend-Ausgabe der FAZ hatte nämlich seine Neugier geweckt – allerdings vorrangig aus dem Grund, weil ihn als Kölner die Pendelei nach Düsseldorf zunehmend nervte. „Nur noch 100 Meter Weg ins Büro zu haben, war eine traumhafte Vorstellung. Ich habe erst auf den zweiten Blick geschaut, was für eine Firma das überhaupt ist.“

Wie es sich herausstellen sollte, handelte es sich um Electronic Arts. Seit 2004 leitet Lorber zunächst als Head of PR, später als PR Director den Bereich Public Affairs und Politische Kommunikation des US-Publishers. Zusätzlich ist er Jugendschutzbeauftragter, Mit-Erfinder und -Organisator der Konferenz Clash of Realities, Mitglied im Vorstand des Jugendschutzprogramms JusProg, Juror mehrerer Awards und Lehrbeauftragter an der Universität zu Köln. Lorber blickt also über den Branchen-Tellerrand hinaus und sucht regelmäßig Anknüpfungspunkte zu Wissenschaft und Kultur.

Was er an EA hat, weiß der PR-Profi durch seine vorherigen beruflichen Stationen zu schätzen: „Ich habe ja vor meiner Zeit bei Electronic Arts einige Unternehmenskulturen kennengelernt – aber ein so großartiges Miteinander, dass alle an einem Strang ziehen und zusammen das beste Ergebnis erreichen wollen, das habe ich so ausgeprägt noch nie erlebt. Wie gut wir uns verstehen und zusammen jede Menge Spaß haben, zeigt sich auch immer daran, dass bei den Festen und Partys immer eine ganze Menge Ehemalige dabei sind.“ Die Kolleginnen und Kollegen sind es denn auch, die seinen Arbeitgeber so besonders machen – abseits von den „fantastischen Spielen“ natürlich. „Ich bleibe selten sehr lange an einem einzelnen Spiel hängen“, bekennt Lorber. „Mir macht es mehr Spaß, immer wieder neue Sachen kennenzulernen und anzuspielen.“ Sein Videospiel-Highlight des Jahres, Stand Mai 2021: It Takes Two – natürlich von EA.

In seiner vorerst 17-jährigen Videospiel-Karriere gab es natürlich eine Vielzahl an prägenden Erlebnissen: „Das erste war 2003, noch bevor ich bei Electronic Arts angefangen habe. Mein künftiger Chef hat mich nach Leipzig zur Games Convention eingeladen, damit ich schon mal Gaming-Luft schnuppern kann. Das war wirklich ein absolutes Wow-Erlebnis. Erst einmal die unfassbare Stimmung auf der Messe, die vielen begeisterten Fans, das laute Durcheinander. Dann die unglaubliche Inszenierung der Messestände, man wurde immer wieder richtig weggeblasen. Das alles kannte ich bisher nicht“, schwärmt Lorber. „Und dann schließlich die überaus freundliche Aufnahme durch die Kolleginnen und Kollegen, nicht nur bei Electronic Arts, sondern überhaupt von allen Branchen-Leuten, die ich damals schon bei der Branchenparty – war das schon in der Moritzbastei? – getroffen habe.“ Der zweite magische Moment sollte bereits 2004 während seiner ersten E3 folgen: „Wir haben damals das Boxspiel Fight Night vorgestellt und als ich gerade im Präsentationsraum mit ein paar deutschen Journalisten war, kam Muhammad Ali mit ein paar Leuten rein, um sich das Spiel anzuschauen und hat sich direkt neben mich gesetzt. Da wusste ich, dass ich definitiv in der richtigen Branche gelandet war. Ich war so begeistert und aufgeregt, dass mir nichts eingefallen ist, was ich ihn fragen könnte – und leider auch kein vernünftiges Selfie gemacht habe.“

Nun halten sich Unternehmens-Sprecher für gewöhnlich meist im Hintergrund – umso mehr genießt Lorber in seiner Freizeit das Scheinwerferlicht der Bühnen. Spätestens durch seine Auftritte bei verschiedenen Events kennt man ihn auch innerhalb der Games-Industrie als leidenschaftlichen Musiker, der mit Hingabe am Kontrabass zupft. Außerdem komponiert er experimentelle elektroakustische Musik, ist Co-Gründer des Ensembles Trikustik und singt im Chor. „Ich mache Musik seit dem Kindergarten. Das ist einfach fantastisch, entspannend und herausfordernd zugleich. Und im Jazz kann man immer wieder das einzigartige Spannungsfeld zwischen dem vorgegebenen Rahmen und der intuitiven Improvisation erleben. Leider kann man sich zurzeit leider nicht live treffen, das fehlt mir sehr.“ Da verwundert es nicht, dass der zweifache Familienvater nach eigener Einschätzung heute womöglich in der Kultur- oder Musikbranche arbeiten würde – wenn er nicht anno 2004 zufällig die FAZ-Wochenendausgabe aufgeschlagen hätte. (pf)

Electronic Arts
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