IGM: Stefan, wie lief bei euch das Geschäft rund um Weihnachten?
Stefan Kimmlingen: Die Tage nach Weihnachten sind bei uns immer sehr umsatzstark, sogar stärker als die davor. Ganz viele Leute bekommen anscheinend Geld oder Gutscheine geschenkt und kommen dann zu uns. Generell lief das Weihnachtsgeschäft dieses Jahr sehr gut. Wir liegen deutlich über dem Vorjahr, sowohl online als auch stationär.
IGM: Liegt das an bestimmten AAA-Titeln, die besonders gut laufen?
Kimmlingen: Mit den Titeln hatte das eigentlich nichts zu tun, im Gegenteil. Die Triple-A-Titel haben sich durch die Bank sogar wesentlich schlechter verkauft als in den vorigen Jahren. Das liegt einfach daran, dass die Hersteller Vorabversionen mit DLC herausbringen, den wir als Händler nicht bekommen. Ein Spiel wie EA Sports FC verkauft sich längst nicht mehr so gut wie früher. Für das Weihnachtsgeschäft waren die neuen Titel also nicht besonders relevant, aber wir haben das Sortiment eben anders aufgebaut.
IGM: Wie genau?
Kimmlingen: Wir haben viel Gebraucht- und Budget-Ware nachgezogen. Das Geld sitzt bei den Leuten tatsächlich nicht mehr so locker wie erhofft. Ganz viele Leute fragen, ob es zum Beispiel Minecraft oder Mario Kart auch gebraucht für die Switch gibt – oder auch gebrauchte Versionen von Battlefield und Call of Duty für die PlayStation 5. Zum einen haben wir versucht, neue Titel günstig anzubieten. Und zum anderen gab es auch ganz gute Black-Friday-Deals, die wir aufgestockt hatten – die konnten wir dann auch noch bis in den Dezember hinein verkaufen.
Wir haben das Sortiment eben anders aufgebaut
IGM: Die Blockbuster-Titel sind für euch als Händler also quasi keine mehr?
Kimmlingen: Die Blockbuster-Titel werden nach wie vor gekauft. Das Ganze verschiebt sich aber durch die Zeitexklusivität und den Bonus-Content in Richtung Download. Man merkt das an den Zahlen: Früher hast du am ersten Wochenende 800 Exemplare von FIFA beziehungsweise EA Sports FC verkauft, jetzt sind es vielleicht noch 100. Das ist schon ziemlich krass. Bei der Spielereihe ist es ja schon seit drei oder vier Jahren so, dass die Ultimate Edition – sie kostet rund 100 Euro – nur noch als Download erscheint. Wir haben aber immer noch Kunden, die die Ultimate Edition kaufen oder vorbestellen wollen – denen müssen wir dann absagen. Wenn du Glück hast, kaufen sie dann noch Guthaben. Wenn du Pech hast, kaufen sie gar nichts.
IGM: Du sagst, ihr habt viel Gebraucht- und Budget-Ware bereitgestellt. Wie macht ihr das konkret?
Kimmlingen: Wir haben die Märkte durchforstet und unsere Großhändler abgegrast. Dabei haben wir geschaut, was wir an guten Sachen günstig kaufen können – und natürlich haben wir auch viele Gebrauchtspiele eingekauft. Ohne die geht es ja gar nicht mehr.
IGM: Sind das dann vor allem neuere Titel?
Kimmlingen: Nee, ganz wild durcheinander. Viele Leute kaufen nach dem Motto: Hauptsache günstig. Es gibt auch Leute, wo ich denke: „Kauft euch jetzt nicht drei Spiele für fünf Euro oder für 2,99 oder für 1,99, sondern lieber eines für 14,99. Unterm Strich habt ihr mehr davon.“ Aber letztendlich sind es die Leute, die das entscheiden.
IGM: Wie gut war der Nachschub bei Hardware und Zubehör?
Kimmlingen: Da gab es keine Probleme. Die Hersteller sehen es anscheinend auch gerne, dass wir noch Hardware verkaufen (lacht) ... auch wenn sie keine Marge hat. Aber das machen wir, logisch. Bei der Hardware war immer ein guter Fluss. Wenn der Großhandel mal aus ist, musst du halt kreative Wege gehen. Aber die gibt‘s, da hast du ja lang genug Erfahrung im Geschäft. Und wenn du es halt nur auf null verkaufst – Hauptsache, du hast die Hardware und musst die Leute nicht wegschicken.
IGM: Das würde keinen guten Eindruck hinterlassen ...
Kimmlingen: Ich weiß, dass das manchmal im Fachhandel gemacht wird. Ich kann das auch nachvollziehen, finde es aber nicht gut – man hat ja einen gewissen Anspruch an sich selbst. Wenn du die Möglichkeit dazu hast, solltest du schon alles anbieten: Controller, Ladestationen, Geräte. Gerade Controller waren hier an Weihnachten super gefragt – das ist offenbar immer ein schönes Geschenk.
IGM: Welche Konsolen liefen am besten?
Kimmlingen: Unsere Bestseller waren PS5, Switch und PS4.
Man hat ja einen gewissen Anspruch an sich selbst
IGM: Die PS4 läuft also tatsächlich auch noch?
Kimmlingen: PS4-Spiele liefen wie verrückt – ich bin da mittlerweile komplett geplündert. Die PS4 ist noch wild im Umlauf – das merke ich auch daran, dass die Leute nach Controllern fragen. Sony hat da seit Monaten nichts mehr geliefert – und alle suchen händeringend nach Hardware. Die Preise für Gebraucht-Controller explodieren, die Preise für neue Controller sind überhaupt nicht bezahlbar, die sind mittlerweile teurer als eine Konsole, das ist total verrückt. Da würde ich mir wünschen, dass Sony noch mal einen guten Schwung für den Handel nachproduziert.
IGM: Ohne Gebrauchtspiele geht es auch nicht, sagst du ...
Kimmlingen: Ein Videospiel-Fachhandel kann ohne Second Hand nicht funktionieren, dafür sind die Margen bei neuen Games einfach viel zu gering. Du kannst neue Games nicht zu Preisen verkaufen, wie es Nintendo oder Sony gerne hätten. Einen normalen Switch-Titel kannst du nicht für 60 Euro ins Regal stellen. Den wirst du für diesen Preis niemals verkaufen, weil alle anderen den für 40 oder 50 Euro anbieten. Da musst du dann mitgehen und hast danach nichts übrig. Da wäre ein Tagesgeldkonto mit zwei Prozent noch besser (lacht).
IGM: Klingt nicht gerade nach einer tollen Marge ...
Kimmlingen: Die Gebrauchtware und die zusätzlichen Sortimentsbestandteile subventionieren praktisch die Neuware. Wenn du ein Second-Hand-Game mit einer Marge von 15 Euro verkaufst, dann ist der Gewinn so groß, wie wenn du sieben oder acht neue Games verkaufst. Das ist ein lukratives Geschäft. Allerdings bist du bei Gebrauchtware darauf angewiesen, dass die Leute dir die Sachen in den Laden bringen – und dass du dich dann auch mit ihnen einigst. Wir haben den gleichen Titel unter Umständen zehn Mal, kaufen ihn aber trotzdem weiter. Wenn jemand uns etwas verkaufen will und die Zustandskriterien erfüllt sind, dann kaufen wir das ohne Wenn und Aber – egal, wie oft wir es schon haben. Die Kunden sind ihre Spiele los und haben auch keine Scherereien mit eBay Kleinanzeigen, worüber es immer wieder Beschwerden gibt.
IGM: Wie schwierig ist das Verhandeln bei Gebrauchtspielen?
Kimmlingen: Wenn Kunden die Spiele an uns verkaufen, bekommen sie natürlich deutlich weniger Geld dafür, als wenn sie die Spiele selbst online verkaufen würden. Aber man muss auch sehen: Wir haben einiges an Arbeit, bis wir das Spiel wieder verkauft haben. Wir müssen es prüfen, listen und als Artikel anlegen, falls es noch nicht im System ist. Das ist richtig, richtig Arbeit! Zum Glück kann unser Kassensystem das ganz gut. Aber die Leute vergessen auch manchmal, was für ein Aufwand dahintersteckt – und sagen: „Du verkaufst das Spiel jetzt für 20 Euro und machst zehn Euro Gewinn.“ Was ja letztlich nicht stimmt. Unterm Strich ist das Ganze für uns aber ein Erfolgsrezept. Da habe ich zum Glück im Lauf der Jahre einen ganz guten Weg gefunden: Mit den Kunden, die uns die Spiele bringen, mit den Preisen, die wir dann machen, mit den Kanälen, über die wir die Spiele verkaufen. Diese Mengen nur über den Laden abzusetzen, wäre schwierig – da brauchst du auch diverse Online-Kanäle.
Mit Abstand am größten ist Pokémon
IGM: Welche sind das bei euch?
Kimmlingen: Amazon, Ebay und unser Webshop – das sind unsere drei Online-Säulen. Mehr machen wir nicht.
IGM: Über welche Plattformen kommuniziert ihr Angebote? Wie ich sehe, seid ihr unter anderem auf Instagram aktiv.
Kimmlingen: Auf Instagram machen wir vor allem PR. Manchmal posten wir dort auch spezielle Angebote – es geht aber hauptsächlich darum, unsere Kunden daran zu erinnern, dass wir da sind und was wir machen. Zum Beispiel, dass wir unser Sortiment jetzt um Schallplatten erweitert haben. So etwas müssen wir auch immer wieder refreshen, weil das für die Leute noch neu ist. In letzter Zeit haben wir auf Instagram auch viel über Trading Cards gepostet, weil die wirklich fantastisch laufen und auch eine ganz gute Marge haben. Das ist auch einer der Hauptgründe, warum wir dieses Jahr so viel besser dastehen als letztes Jahr.
IGM: Welche Trading Cards sind das vor allem?
Kimmlingen: Mit Abstand am größten ist Pokémon. Dann kommen Magic, Yu-Gi-Oh!, Dragon Ball und One Piece. Das sind die Karten, die wir aktuell haben. Wir werden zusätzlich noch Riftbound ins Sortiment aufnehmen. Disney Lorcana hatten wir schon – das ist wieder etwas eingeschlafen, vielleicht machen wir dazu aber trotzdem wieder mehr. Es tut nicht weh, wenn du das im Sortiment hast – dafür musst du keine mega Stückzahlen hinstellen. Generell hat sich der Trading-Card-Bereich richtig gut entwickelt.
IGM: Vor allem, weil das immer mehr Leute spielen?
Kimmlingen: Bei Magic hängt das in erster Linie mit den wachsenden Spielerzahlen zusammen. Bei Pokémon hoffen die Käufer oft auf teure Karten, da ist viel Spekulation mit dabei. Da gibt es Sets, die 150 Euro kosten – und die Leute reißen sie dir aus den Händen und öffnen gar nicht erst die Verpackung. Die Karten werden einfach in der Hoffnung auf Wertzuwachs irgendwo deponiert.
IGM: Reden wir noch einmal über das Weihnachtsgeschäft. Hattet ihr den Laden dafür speziell dekoriert?
Kimmlingen: Nein, wir haben alles einfach so gelassen, wie es war. In früheren Jahren haben wir ein Weihnachtsbäumchen hingestellt, aber dieses Jahr nicht. Im Schaufenster haben wir als Blickfang ja unsere pulsierenden Pac-Man-Geister und die durchlaufenden LED-Displays.
IGM: Wie kann man sich einen typischen Weihnachtsgeschenkkauf vorstellen? Großeltern oder Eltern, die mit Kindern in den Laden kommen?
Kimmlingen: Die meisten Kunden kaufen Spiele für sich selbst oder für jemand anderen. Der oder die Beschenkte ist aber nur selten dabei. Nach Weihnachten ist das natürlich etwas anders – dann kommen viele Eltern mit ihren Kids vorbei, um das Weihnachtsgeld auszugeben.
IGM: Auch, um Fehlkäufe umzutauschen?
Kimmlingen: Nee, mit Umtausch haben wir seit Jahren eigentlich so gar keine Probleme. Ich verstehe das auch nicht – man hört das ja sonst häufig. Aber bei uns? Toi, toi, toi.
Gutscheine sind durchaus ein Faktor
IGM: Wie wichtig ist die erste Januarwoche für euer Geschäft?
Kimmlingen: Vom Umsatz her ist sie auf jeden Fall relevant. Das Gute ist jetzt, dass es da ein Wochenende gibt – die Wochenenden sind ja ohnehin immer stark. Letztes Jahr war der Januar der schwächste Monat, den wir hatten. Der Umsatz war da praktisch gleich wie im Januar 2024, bei allen anderen Monaten gab es aber eine Umsatzsteigerung zwischen 30 und 50 Prozent. Schauen wir mal, wie es dieses Jahr wird.
IGM: Ihr bietet auch hauseigene Gutscheine an. Wie wichtig sind die für euer Geschäft?
Kimmlingen: Gutscheine sind durchaus ein Faktor. Allerdings werden sie in der Regel nicht sofort eingelöst. Oft kommen Gutscheine rein, die wir vor einem halben oder Dreivierteljahr ausgestellt haben, teilweise auch früher. Für unsere Gutscheine gibt es kein Ablaufdatum – sie können genutzt werden, solange es uns gibt. Manchmal kommen auch ganz alte Gutscheine wieder zurück. Aktuell laufen die meisten Käufe aber mit Bargeld oder Karte.
IGM: Warum werden die Gutscheine oft so spät eingelöst?
Kimmlingen: Die Gutscheine werden ja nicht nur an Leute verschenkt, die direkt hier in Trier wohnen. Trier hat ein relativ großes Einzugsgebiet. Der Gutschein wird verschenkt – und wenn der Beschenkte das nächste Mal in der Innenstadt ist, löst er ihn ein. Wenn er zum Beispiel einen 100-Euro-Gutschein bekommen hat, es aber gerade nichts gibt, was ihn interessiert, dann wartet er einfach ab – zum Beispiel, bis im Februar Resident Evil Requiem erscheint.
IGM: Wie stark werden offizielle Gutscheinkarten von Steam, PlayStation und Co. bei euch nachgefragt?
Kimmlingen: Die werden durchaus gekauft, aber selten verschenkt. Es gibt da zwei unterschiedliche Systeme: Zum einen die Karten zum Mitnehmen, die man aus dem Supermarkt kennt. Zum anderen haben wir als Fachhändler auch Terminals, an denen wir die Karten ausdrucken können. Das heißt, du kommst zu uns und sagst, dass du gerne 20 Euro für PSN hättest. Wir drucken dann eine Art Kassenbon mit einem Code aus. Das verursacht natürlich wesentlich weniger Müll und auch weniger Kosten als die Karten. Klar, in der Menge, in der die gedruckt werden, sind das pro Karte nur ein paar Cent – aber es sind dennoch höhere Kosten. Bei den Gutscheinen aus dem Bon-Drucker hast du das nicht, weil die on demand sind. Wir haben hier im Laden eines von diesen Bon-Systemen stehen. Kunden können auf dem Touchscreen ihre Codes auswählen und dann ausdrucken. Das klappt zum Beispiel auch mit Konzertkarten und Flixbus-Tickets.
IGM: Ihr habt auch Kundenkarten. Wie funktioniert das genau bei denen?
Kimmlingen: Je mehr Spiele und Hardware du bei uns kaufst, desto höher wird deine Rabattstufe auf gebrauchte Spiele und Filme. Für jede 100 Euro, die du bei ausgibst, steigt der Rabatt um ein Prozent – so lange, bis du 15 Prozent erreicht hast. Wenn du also für 1500 Euro Ware eingekauft hast, hast du permanent die 15-Prozent-Rabattstufe erreicht.
IGM: Das Geschäft mit Merch wächst ja kontinuierlich. Wie wichtig ist es für euch?
Kimmlingen: Für uns ist Merch nicht so super wichtig. Wir könnten mehr davon anbieten, dann hätten wir aber ein Platzproblem. An Merch haben wir zum Beispiel Funko-Pop-Figuren – aber da sind wir zu Gebraucht-Ankauf übergegangen, das funktioniert auch ganz gut. Neuware gibt es bei Funko Pop einfach so viel, da weißt du nicht, was du einkaufen sollst – das ist wirklich krass. Aber ansonsten sind wir einfach kein Merch-Laden. Es gibt in Trier einen oder zwei Läden, die sich darauf spezialisiert haben, zum Beispiel auf Dragon Ball und Pokémon. Trading Cards haben die auch, klar. Das ist auch okay, der Markt ist schließlich groß genug.
IGM: GameStop hat den Mix aus Merch und Second-Hand-Games ja seinerzeit stark gepusht ...
Kimmlingen: Ja, aber das fanden die Spielefans nicht so toll, weil sich das nicht mehr wie ein Spieleladen anfühlte. Wir bieten als Laden ja auch alles Mögliche an – aber wir haben uns zumindest auf den Bereich „Medien“ spezialisiert.
IGM: Wie hat sich die Schließung der Trierer GameStop-Filiale im Januar 2025 bei euch bemerkbar gemacht?
Kimmlingen: GameStop war nie ein richtig großes Problem für uns. Das hing aber auch damit zusammen, dass ich mit dem Ladenumzug reagiert habe, als GameStop vor gut anderthalb Jahrzehnten nach Trier kam. Wir mussten einfach diese 700 Meter die Paulinstraße hoch in Richtung Porta Nigra ziehen. Wären wir mit dem Laden im ersten Drittel der Straße geblieben, dann wären deutlich weniger Leute zu uns gekommen. Warum sollen die auch vom Zentrum 10 Minuten zu uns laufen? Sie können ja alles entweder im Zentrum oder online kaufen. Es wäre wirklich schlecht gewesen, abseits des Zentrums zu sein, wenn man so einen finanzkräftigen Player wie GameStop vor Ort hat. Durch den Umzug und unsere Bekanntheit konnten wir das aber gut ausgleichen. Als GameStop seine Filiale geschlossen hat, haben wir das aber trotzdem deutlich gemerkt. Dadurch hatten wir 2025 etwa 30 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr.
IGM: Welche Konkurrenz habt ihr jetzt noch vor Ort?
Kimmlingen: Aktuell gibt es in Trier noch MediaMarkt und Müller. Zu MediaMarkt haben wir ein kollegiales Verhältnis, wir respektieren uns gegenseitig. Die schicken Kunden auch schon mal zu uns, wenn diese beispielsweise PS2-Spiele suchen. Von Müller hört man nicht viel, die haben in Trier keine größere Games-Abteilung.
Zu MediaMarkt haben wir ein kollegiales Verhältnis
IGM: Anderes Thema: Wie wichtig sind Collector‘s Editions für euch?
Kimmlingen: Nicht super wichtig, weil alles immer mehr in Richtung Digitalverkauf geht. Selbst bei teuren Collector‘s Editions ist es heute manchmal so, dass kein Datenträger mehr beiliegt, sondern ein Code – und das kommt bei den Leuten nicht gut an. Collector‘s Editions müssen meiner Meinung nach durchgängig physisch sein. Als Sammler möchte ich eine Disc haben.
IGM: Zurück zu Triple-A: Was sind für euch die wichtigsten Frühjahrstitel – mal abgesehen von Resident Evil Requiem?
Kimmlingen: So viel ist da gar nicht in der Pipeline. Für Resi haben wir viele Vorbestellungen – und auch ein paar für 007 First Light, das am 27. März erscheint. Die Sachen von Nintendo laufen gut, zum Beispiel Mario Tennis Fever, da am 12. Februar rauskommt. Ja, ich würde sagen, im ersten Quartal muss man eigentlich nur auf Resi wirklich achtgeben.
IGM: Wirft GTA VI seine Schatten schon voraus?
Kimmlingen: Ja, so stark, dass der Großhandel mich schon gefragt hat, ob die Marketingfirma zu GTA VI bei uns ein Schaufenster gestalten kann. Das haben wir auch schon verabredet. Die werden hier wohl eines unserer Schaufenster nehmen und da irgendwas aufbauen. Das hatten wir bei GTA V auch schon.
IGM: Wie könnte das konkret aussehen?
Kimmlingen: So eine richtige Szene aus GTA. Bei GTA V hatten wir brennende Mülltonnen, die natürlich nicht wirklich gebrannt haben, aber es war halt so ein richtiges Streetgang-Schaufenster, das war lustig.
IGM: Es wird ja schon viel spekuliert, welche Auswirkungen dieser Mega-Release auf die Branche haben wird – ob er das gesamte Geschäft pusht oder eher die Aufmerksamkeit von anderen Games abzieht ...
Kimmlingen: GTA wird sich bombastisch verkaufen. Es ist natürlich schade, dass es ein super teurer Titel wird, weil es lange gedauert hat. Aber ich kann das natürlich auch nachvollziehen.
IGM: Der Preis könnte um die 100 Euro liegen ...
Kimmlingen: Ja, schauen wir mal, was der Handel daraus macht. Wenn wir es für diesen Preis verkaufen müssten, ginge es wahrscheinlich für 10 oder 15 Euro weniger raus – und dann hätten wir wieder keine wirkliche Marge. Wenn du ein paar hundert Stück am ersten Tag verkaufst, ist es natürlich wieder okay. Das Problem ist nur, wenn dann Spiele geklaut werden – oder wenn nicht alle Spiele durchverkauft werden. Letzteres wird bei GTA VI aber nicht passieren.
IGM: Indie-Games standen ja zuletzt bei The Game Awards stark im Rampenlicht, das Angebot wächst auch generell sehr stark. Wie wichtig sind Indie-Titel für euch?
Kimmlingen: Vor ein bis zwei Jahren war die Nachfrage tatsächlich schon größer, aktuell merkt man das nicht so stark. Hin und wieder haben wir Titel von Limited Run Games. Aber Indie-Games sind im stationären Handel nach wie vor eine Nische.
IGM: Was schätzt du deine Perspektive als Spielehändler für die nächsten Jahre ein?
Kimmlingen: Ich werde das auch nicht ewig machen, ich mache das ja jetzt schon seit 27 Jahren. Aber es macht mir halt immer noch Spaß und ich komme wirklich jeden Tag gerne in den Laden – das muss erst mal ein anderer Job schaffen. Ich bräuchte den Job nicht mehr unbedingt, um über die Runden zu kommen, weil ich finanziell vorgesorgt habe. Aber ich mache es halt noch gerne und werde es noch ein Weilchen machen. In ein paar Jahren wird womöglich mein Mitarbeiter den Laden übernehmen – und ich lasse mich dann vielleicht auf 500-Euro-Basis einstellen. Ob ich aber jemandem empfehlen würde, jetzt einen Spieleladen zu eröffnen? Wahrscheinlich nicht. Es sei denn, du hast jemanden, der dir super dabei hilft.
IGM: Was bedeutet Flexibilität – für dich als Händler?
Kimmlingen: Trends zu erkennen, zum Beispiel bei den Trading Cards. Allerdings musst du dafür kein Genie sein – Trading Cards sind ja ein kulturelles Phänomen, das eigentlich jeder aus der Branche kennt. Bei Pokémon – den umsatzstärksten Trading Cards – habe ich allerdings auch verstärkt auf das asiatische Ausland gesetzt. Ich habe einen Großhändler gefunden, der Karten aus Japan, China und Korea hat. Diese Karten habe ich bestellt – und sie laufen wie verrückt, was ich nie gedacht hätte. Für so etwas musst du natürlich Geld in die Hand nehmen. Das ist ein gewisses Risiko: Wenn es nicht gut läuft, sitzt du auf 10.000 Euro in Trading Cards, die kein Mensch haben will. Ein bisschen mutig musst du dafür also sein. (Achim Fehrenbach)
Please welcome … Klaus Froning, Marketing Director, Aerosoft GmbH