Unterhaltung im schlauen Haus: Wie Smart Home und Entertainment zusammenpassen

Beim Stichwort "Smart Home" denkt man an Kühlschränke, die selbstständig Pizza nachbestellen. An Thermostate, die automatisch die Wohnung vorheizen, bevor die Bewohner nach Hause kommen. Oder auch an Rolläden, die zu bestimmten Uhrzeiten hoch- oder runterfahren. Doch wie sieht es eigentlich mit Entertainment im Smart Home aus? Darüber haben wir mit Verbandsvertretern, Händlern und Herstellern gesprochen. Und wir geben Beispiele, wie sich beide Bereiche konkret berühren.
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Der SwitchBot Button Presser ist ein seltsames Ding. Ein kleiner, weißer Kasten mit einem Schlitz, aus dem eine Art Stift hervorragt. Der SwitchBot Button Presser tut genau das, was sein Name besagt: Er drückt Knöpfe – und macht damit "dumme" Hausgeräte smart. Zum Beispiel schaltet er die Kaffeemaschine zu einer bestimmten Uhrzeit ein, damit man das wachmachende Gebräu direkt beim Aufstehen parat hat. Er drückt den Katzenfutterspender, wenn die smarte Überwachungskamera den Haustiger registriert. Oder er schaltet den Spiele-PC ein, damit man remote auf ihn zugreifen und Spiele streamen kann. Kurz gesagt: Der SwitchBot Button Presser ist seltsam – aber auch sehr vielseitig. Ach ja: Die selbe Firma – Wonderlabs Inc. aus China – hat gerade SwitchBot Curtain herausgebracht. Mit dem kann man Vorhänge motorisiert zur Seite schieben. Guten Morgen.

Kuriose Produkte
Das Thema "Smart Home" bringt immer wieder kuriose Produkte hervor. Und es wird als Umsatzbringer für Handel und Hersteller immer relevanter. Dem Branchenverband Bitkom zufolge hatten bereits 2019 drei von zehn Deutschen ein smartes Zuhause. Was das bedeutet? Nun, sie hatten in den eigenen vier Wänden mindestens eine Smart-Home-Anwendung installiert. Das können intelligente Lampen und Leuchten sein, smarte Heizkörperthermostate – oder auch Staubsaugerroboter, Überwachungskameras und smarte Steckdosen. Die drei Hauptanwendungsfelder des Smart Home sind "Energie", "Sicherheit" sowie "Haus & Garten". Doch was sind die derzeit wichtigsten Trends?

Ein Kommando genügt

Um das herauszufinden, haben wir mit Sebastian Klöß gesprochen. Klöß ist Referent Consumer Technology bei Bitkom – und der Verbandsexperte fürs smarte Zuhause. "Aktuell sehe ich im Smart Home drei große Trends", so Klöß. "Der erste ist die Sprachsteuerung. Die Sprachassistenten ziehen zwar schon seit ein paar Jahren ins Zuhause der Nutzer ein, aber jetzt lassen sich immer mehr Geräte im Haushalt damit steuern." 2019 setzten bereits 69 Prozent aller Sprachassistenten-Nutzer diese auch im Smart Home ein (Bitkom-Studie: "Die Zukunft der Consumer Technology"). Klöß nennt mehrere Beispiele: Unter anderem könne man per Sprachbefehl Dunstabzugshauben steuern, das Licht ein- und ausschalten und den Fernseher bedienen. Außerdem würden die Sprachassistenten immer intelligenter, so der Experte. "2020 muss im Smart Home nicht mehr jedes smarte Gerät einzeln angesprochen werden. Mit einem Befehl lassen sich ganze Szenen abrufen: Ein Kommando genügt, um abends beispielsweise das Licht auszuschalten, die Rollos herunterzufahren und die Heizung zu drosseln."

Siegeszug der Roboter
Als zweiten großen Smart-Home-Trend sieht Bitkom den Siegeszug der Roboter. "2020 dürfte das Jahr sein, in dem clevere Alltagshelfer wie Saug-, Wisch-, Fensterputz- und Rasenmähroboter ihren großen Durchbruch erleben", sagt Klöß. Der dritte große Smart-Home-Trend – nämlich Künstliche Intelligenz – verbinde die beiden anderen Trends: "Mit Künstlicher Intelligenz lernt das Zuhause die Vorlieben seiner Bewohner kennen und kann sich optimal darauf einstellen", so Klöß. Wie eben bei der smarten Heizung, die zu bestimmten, durch Nutzerdaten festgelegten Zeiten die Wohnung oder das Duschwasser vorwärmt – und dabei auch noch Energie spart. Für ältere Menschen bedeute KI in den eigenen vier Wänden ein Plus an Sicherheit und Selbstbestimmung, sagt Klöß: "Wird vom Smart Home eine Abweichung von der normalen Tagesroutine erkannt, etwa dass der Bewohner morgens nicht zur gewohnten Zeit den Rollladen öffnet, duscht und die Kaffeemaschine startet, können die Angehörigen informiert werden. Sie können dann nach dem Rechten sehen."

 

Der sicherlich wichtigste Trend sind Sprach­assistenten

 

Fassen wir kurz zusammen: Die drei Haupttrends im Smart Home sind also Sprachsteuerung, Roboter und KI – zumindest aus der Sicht von Bitkom. Doch wo liegen die derzeitigen Schwerpunkte für den Handel? Wir haben bei MediaMarktSaturn nachgefragt. Der Elektronikkonzern bietet – sowohl stationär als auch online – eine breite Palette an Smart-Home-Produkten. "Der sicherlich wichtigste Trend sind Sprachassistenten – insbesondere von Google, Amazon und Apple", so die Unternehmenssprecherin. Auch smarte Steckdosen, intelligente Heizungssteuerung und Home-Security-Produkte – allen voran smarte Kameras – seien bei den Verbrauchern auch weiterhin sehr gefragt. "Zunehmend beliebt werden zudem Produkte im Bereich smarte Außenbeleuchtung und Outdoor-Kameras sowie – mit Blick auf die nahenden Sommermonate – smarte Außensteckdosen", so die Sprecherin. Die Vorlieben der MediaMarktSaturn-Kunden decken sich also weitgehend mit dem, was der Bitkom in Erfahrung gebracht hat. Doch wie sieht es beim Thema "Smart-Home-Entertainment" aus? Schließlich will man im trauten Heim nicht nur komfortabel und energiesparend leben, sondern auch ein bisschen Spaß haben. "Multiroom-Lösungen sind immer noch sehr gefragt", berichtet uns die Konzernsprecherin. "Dieser Trend flacht allmählich aber etwas ab. Dafür wird eine andere Produktkategorie immer populärer, konkret: Smart Speaker mit Sprachsteuerung, die es mittlerweile von zahlreichen Herstellern gibt."

Schlanke Box
Womit wir bei Alexa, Siri und dem Google Assistant (ja, fescher Name!) wären. Auch Firmen, die im Games-Bereich stark vertreten sind, docken zunehmend an die Sprachassistenten an. Ein Beispiel ist die Firma Logitech mit ihrer Universalfernbedienung Harmony Hub. Laut Hersteller ist die schlanke schwarze Box mit mehr als 270.000 Entertainment- und Smart-Home-Geräten kompatibel: von Fernsehern und Kabelboxen über Disc-Player und Spielkonsolen bis hin zu AV-Receivern, Streaming-Media-Playern, smarten Leuchten, Schlössern und Thermostaten. Die Stärken des Harmony Hub liegen laut Logitech in der Programmierung und Automatisierung: Über die angegliederte Smartphone-App lassen sich Routinen erstellen, die dann unseren Alltag erleichtern sollen. Der Hersteller kooperiert beim Harmony Hub mit Amazon Alexa, das Gerät lässt sich also auch per Sprache steuern. Home Entertainment ist aber nicht das einzige Segment, das Logitech beim Thema "Smart Home" bedient. "Home Security ist mit unserer Circle-Kameraserie noch einfacher geworden und ebenfalls optimal mit Sprachsteuerungsoptionen ausgestattet", sagt Ian Crowe, Senior Director Harmony Remotes, im IGM-Interview.

Als weiteren wichtigen Smart-Home-Trend sieht Crowe das Thema "Streaming". "Was das Streaming betrifft, so ist ein klarer Shift von traditionellen Medien-Plattformen zu Streaming-Diensten und der Fragmentierung dieser Streaming-Optionen zu beobachten", so der Fachmann. Entsprechende Plattformen böten den Nutzern eine immense Freiheit, betont Crowe: Die Konsumenten könnten nun Inhalte "unabhängig von begrenzten Zeitfenstern konsumieren, die von Rundfunknetzen festgelegt sind". Mit der Nachfrage wachse auch das Angebot an Streaming-Optionen und Plattformen.

Konsolen unterhalten
Crowes Aussagen beziehen sich primär auf Video-Streaming. Dass Games-Streaming die Bespaßung per Konsole und PC so bald nicht verdrängen wird, zeigt schon das Beispiel Stadia: Der Google-Dienst konnte bisher kein wirklich überzeugendes Angebot auf die Beine stellen und dümpelt in der öffentlichen Wahrnehmung vor sich hin. Derweil richtet sich die allgemeine Aufmerksamkeit bereits auf den Start der Next-Gen-Konsolen im Weihnachtsgeschäft (vgl. S. 28-31). Playstation 5 und Xbox Series X werden zwar optional Games-Streaming bieten, mit ihrer geballten Rechenkraft aber nach wie vor für klassisches Konsolen-Entertainment sorgen – und dabei ins Smart Home eingebettet sein. Schon die derzeitige Konsolengeneration lässt sich beispielsweise über die Alexa-Sprachsteuerung bedienen: Ein willkommener Bonus für zockende Smart-Home-Fans.

Aber kommen wir zurück zu den Herstellern von Gaming-Hardware, die sich auch beim Thema "Smart Home" engagieren. Das macht nicht nur Logitech, sondern zum Beispiel auch die Firma Razer. "Alle unsere Produkte mit Razer Chroma RGB sind Teil des Smart-Home-Ökosystems", sagt Kushal Tandon, Senior Manager im Product Marketing von Razer. "Unsere Bandbreite reicht von Tastaturen, Mäusen, Mauspads und Headsets über Lautsprecher bis hin zu unseren Razer Blade Laptops." Diese Geräte können mit smarter Beleuchtung wie etwa Philips Hue synchronisiert werden (vgl. IGM 10/2018). Seit kurzem lässt sich die Razer-Beleuchtung auch mit Alexa-Sprachkommandos steuern und individuell anpassen. "Mit über 500 Geräten ist Razer Synapse 3 die branchenführende Plattform für Beleuchtungsintegration", sagt Tandon stolz.

Die Nutzer haben jede Menge Möglichkeiten

Frühes Debüt
Auch die Firma Nvidia genießt in Gamer-Kreisen einen guten Ruf. Bekannt ist sie vor allem für ihre Grafikkarten, die mittlerweile auch Raytracing beherrschen (vgl. IGM 04/2020). Im Smart-Home-Entertainment mischt Nvidia allerdings schon lange mit: Bereits 2015 brachte das Unternehmen den Mediaplayer Nvidia Shield TV auf den Markt, das neueste Shield-Modell stammt von 2019. "Schon mit dem ersten Shield haben wir ein neues Niveau von Android-Spielen erreicht", erzählt Boris Böhles, PR Manager Dach & Benelux. "Wir haben große PC-Spiele wie Half-Life und Portal auf Android portiert, so dass sie nativ auf dem Shield spielbar waren." Auch der Cloud-Streaming-Dienst GeForce Now wurde damals eingeführt. "Shield ist eine offene, auf Android TV basierende Plattform", so Böhles. "Die Nutzer haben jede Menge Möglichkeiten, das Betriebssystem zu modifizieren und viele verschiedene Apps zu installieren." Das Gerät werde kontinuierlich mit neuen Funktionen erweitert und mit Sicherheitsupdates aktuell gehalten. Eine der zentralen Funktionen ist, dass Nutzer Spiele von ihrem GeForce-PC via Shield auf den Fernseher streamen können. Das aktuelle Shield-Modell unterstützt Dolby Vision HDR und Dolby Atmos, was von etlichen Nutzern – unter anderem im Hinblick auf Netflix – gefordert wurde. Im 2019er-Shield kommt der neue Prozessor Tegra X1+ zum Einsatz, eine aufgebohrte Version des Ursprungsprozessors, dessen GPU-Taktrate um 25 Prozent höher liegt als beim Vorgänger. Das gesamte User-Interface läuft dadurch flüssiger, die Apps starten schneller. Böhles: "Mit fünf bis zehn Watt ist der Prozessor sehr energiesparend und eignet sich beispielsweise gut zum effizienten Schauen von Filmen und Serien."

Als einen der wichtigsten selling points sieht Nvidia das sogenannte Upscaling – also die Umwandlung der Bilddaten in eine höhere Auflösung. "Upscaling ist ja grundsätzlich nichts Neues, das kennt man von Smart-TVs", sagt Böhles. "Aber bei Streaming-Boxen ist das Ergebnis nicht so gut wie bei TVs. Das ist oft nur ein sehr einfaches Upscaling." Das AI Upscaling basiere hingegen auf einem neuralen Netzwerk, das mit verschiedenen Inhalten trainiert worden sei. "Dadurch kann es sehr genaue Voraussagen über das notwendige Upscaling treffen. Das Ziel war, aus Full-HD-Content ein nahezu echtes 4K-Bild zu erzeugen."

Natürlich lässt sich auch Shield per Sprache steuern – an dem Trend kommt einfach kein Hersteller mehr vorbei. Im Fall von Nvidia ist es nicht Alexa, sondern der Google Assistant, der die Sprachbefehle interpretiert und weitergibt. In der Schönen Neuen Smart-Home-Welt ist eben alles vernetzt und programmiert. Zur Not muss eben noch der Switchbot Button Presser ein bisschen nachhelfen … (Achim Fehrenbach)

IGM 06/20
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