Die Zahl ist alarmierend. Satte 8 Prozent weniger Umsatz wurden hierzulande in Q1/Q2 mit Games-Hardware erzielt – verglichen mit dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das meldete der Bundesverband game in seiner gamescom-PK Mitte August; die Zahlen basieren auf Erhebungen von YouGov Shopper und Sensor Tower. Grund für den Umsatzrückgang auf aktuell 1,3 Milliarden Euro seien „die stark gestiegenen Preise von Speichern und Festplatten und damit die höheren Kosten für Games-Hardware, die zu stärkerer Kaufzurückhaltung führen“, so der Verband. Ähnliches hat auch der Digitalverband Bitkom zu vermelden, der deutsche Consumer befragen ließ. „Mehr als ein Drittel der Gamerinnen und Gamer (37 Prozent) hat dieses Jahr den Kauf von Geräten, Zubehör oder Bauteilen aufgrund gestiegener Preise verschoben“, heißt es in der Pressemitteilung. „Nur 11 Prozent zeigen sich von den Preissteigerungen unbeeindruckt und haben ihre Neuanschaffungen wie geplant umgesetzt.“ Uff.
Die Hauptschuldigen für die Entwicklung sind schnell ausgemacht: KI- und Tech-Firmen, die alles an sich reißen, was nicht niet- und nagelfest ist. „Die hohe Nachfrage nach Chips und Halbleitern, unter anderem durch den KI-Boom, wirkt sich auch auf die Preise für Gaming-Hardware aus“, sagt Felix Ansmann, Head of Software & IT-Services Bitkom, im Interview mit IGM. Statt neue Geräte zu kaufen, würden die vorhandenen Geräte einfach länger bespielt. Darauf müsse sich dann allerdings die Spielebranche einstellen, so Ansmann: „Spiele sollten möglichst für unterschiedlich leistungsfähige Hardware optimiert sein. Damit könnten Entwickler auch diejenigen Gamerinnen und Gamer erreichen, die nicht auf die neueste Hardwaregeneration wechseln.“
Next-Gen-Gerüchte
Wie aber reagieren die Konsolenhersteller darauf, dass die Komponentenpreise so stark steigen? Nun, zunächst einmal mit eigenen Preiserhöhungen. Sony beispielsweise ruft seit April in Deutschland offiziell für eine Standard-PS5 – eine Slim mit Laufwerk – 650 Euro statt vorher 550 Euro auf. Microsoft zog zwar erst Anfang August in Deutschland nach, erhöhte den Preis seiner Konsolen aber noch deftiger: Eine Xbox Series S mit 1 Terabyte Speicher kostet seitdem offiziell 600 statt 400 Euro. Derweil ist bereits eine heiße Diskussion darüber im Gange, was Next Gen dereinst kosten wird beziehungsweise kosten darf. Ende Juni gab es Gerüchte, die PS6 werde wie geplant Ende 2027 erscheinen, dann aber um die 1.000 US-Dollar kosten. Befeuert wurden diese Gerüchte von Sony-Statements bei einem Investoren-Meeting: Das Unternehmen wolle künftige Hardware grundsätzlich nicht mehr mit „erheblichen Verlusten“ verkaufen. Mitte August versuchte Sony-CEO Hiroki Totoki in einem Gespräch mit dem Wall Street Journal, die aus dem Ruder laufende Diskussion um Start und Preis einzuhegen. Ein Release-Termin für die PS6 stehe bisher nicht fest, sagte der Top-Manager – machte aber auch klar, das sich die Rahmenbedingungen für neue Hardware deutlich geändert hätten. Vor allem der KI-Boom habe den Run auf Speicherchips und Komponenten massiv erhöht, betonte Totoki. Dies treibe die Kosten für wichtige Konsolenbauteile.
Die Konsolenhersteller befinden sich also in einem Dilemma: Einerseits fehlen aktuell noch Anreize (sprich: Spiele) für Next Gen, andererseits steigen die Komponentenpreise voraussichtlich immer weiter, je länger die Konsolenhersteller warten. Was könnte ein Ausweg aus dem Dilemma sein – falls es den aktuell überhaupt gibt? „Jahrzehntelang bestand die Annahme, dass man Spielkonsolen genauso verkaufen kann wie Rasierer und Rasierklingen“, sagt George E. Osborn, Managing Director von Half-Space Consulting und früherer UKIE-Sprecher. „Man senkt die Kosten für das Gerät so weit wie möglich, um die besten Chancen zu haben, die installierte Basis zu vergrößern. Diese installierte Basis wird monetarisiert, indem man ihr anschließend Spiele, DLC und weitere Add-ons verkauft.“ Schließlich bringe man ein Next-Gen-Gerät auf den Markt, das mehr Leistung als je zuvor verspreche – und so beginne der Kreislauf von Neuem. Allerdings, so Osborn, sei diese angestammte Konsolenzyklus-Marktregel mittlerweile außer Kraft gesetzt. Zum einen seien leistungsstärkere Geräte für die meisten SpielerInnen kein entscheidendes Kaufargument mehr, zum anderen könne man das Versprechen einer günstigen Konsole schlichtweg nicht mehr einhalten. „Das Prestige, zu Hause zu spielen, verliert an Bedeutung in einer Welt, in der PCs und Mobilgeräte das globale Wachstum vorantreiben“, sagt Osborn. „Die Konsolenhersteller stehen vor der Entscheidung, wie sie sich daran anpassen.“
Das Prestige, zu Hause zu spielen, verliert an Bedeutung
Flexiblere Finanzierung
Der Experte sieht die Möglichkeit, dass die Hersteller weiter auf das traditionelle Modell setzen, bei höherpreisigen Konsolen aber die Finanzierungsmöglichkeiten flexibilisieren – ganz nach dem Motto: „Jetzt kaufen, später bezahlen“. „Die Unternehmen könnten auch – was durchaus vernünftig ist – darauf hoffen, dass der derzeitige Engpass, der durch die Investitionsausgaben in der KI-Branche verursacht wird, irgendwann nachlässt – nämlich dann, wenn in dem Sektor die Blase platzt“, sagt Osborn. Deutlich pragmatischer wäre aus seiner Sicht aber, die Realität des Marktes zu akzeptieren und sich gezielt an ein wirklich kaufbereites Publikum zu wenden. „Nintendo hat gezeigt, dass generationsübergreifendes Spielen in verschiedenen Kontexten ein Verkaufsargument ist“, beobachtet Osborn. Auch plattformexklusive Premium-Erlebnisse könnten speziell bei einem älteren Publikum die nötige Reichweite finden, so der Analyst – dies sei durch die Stärke der PlayStation gegenüber der Xbox hinreichend belegt. Als weiteres Beispiel für eine klar definierte Zielgruppenansprache nennt Osborn die Konsole Nex Playground, die schon bald in den Handel kommen soll. Nex Playground pflege das Image, günstigen, leichten Spielspaß zu bieten und zudem für Kinder und Jugendliche besondere Sicherheit zu gewährleisten – was wiederum ein gutes Verkaufsargument gegenüber Erziehungsberechtigen sei.
Auch der Strategie- und Technikberater Thomas Bedenk stellt fest, dass der Druck auf die Konsolenhersteller enorm steigt. Ironischerweise stecke dahinter ausgerechnet „der frühere Gamer-Liebling Nvidia, dem KI-Profite deutlich lieber zu sein scheinen als seine ursprüngliche Spielerzielgruppe“, kritisiert Bedenk. „Darüber kann Nvidia auch nicht mit Pseudo-Innovationen für Gamer hinwegtäuschen.“ Konsolen hätten ihren Mehrwert immer aus einer Kombination von Einfachheit, preislicher Attraktivität und Exklusivtiteln gezogen, so der Experte. „Zur Zeit sind alle diese Dimensionen gleichzeitig am Schwanken.“ Hinzu komme, dass neue Consumer-Generationen stärker von Smartphones geprägt seien; dies könne – im Verbund mit den steigenden Hardware-Preisen – zu einem Abwärtstrend im Konsolenmarkt führen. „Die Switch 2 kam gerade noch rechtzeitig, um sich vor dem größten Impact zu schützen“, sagt Bedenk. „Aber Next-Gen-Konsolen werden es schwer haben, sich eine breite installierte Basis zu sichern, wenn sich der Speichermarkt nicht sehr deutlich entspannt.“ Dass sich die Konsolenhersteller auch von physischen Speichermedien verabschiedeten, entziehe ihnen zusätzlich Kundschaft.
Mehrwert rechtfertigen
Joost van Dreunen glaubt nicht, dass die Konsolenpreise künftig wieder sinken werden. „Das ist sowohl für die SpielerInnen als auch für die Konsolenhersteller ein Problem“, sagt der Marktanalyst, Universitätsprofessor und Unternehmer, der auch einen viel gelesenen Newsletter (superjoost.substack.com) herausgibt. Van Dreunen geht davon aus, dass die Hersteller versuchen werden, den höheren Konsolenpreis durch bestimmte Services zu rechtfertigen – etwa durch Abos und Cloud-Speicherstände. „Das Konsolengeschäft hat traditionell die Hardware subventioniert und sein Geld mit Software verdient“, sagt auch van Dreunen. Diese Rechnung gehe wegen der durch KI verursachten Hardware-Preissteigerungen nicht mehr auf. „Anstatt also einen Wettlauf um den niedrigsten Preis zu veranstalten, werden die Plattformbetreiber darum wetteifern, den Aufpreis zu rechtfertigen“, prophezeit van Dreunen.
Den Publishern und Entwicklerstudios stellt sich derweil eine andere Frage: Wie reagieren sie auf die Verwerfungen im Hardware-Markt? Van Dreunen vermutet, dass die Firmen eine längere Lebensdauer bei Current Gen einplanen. „Die Publisher werden eine installierte Basis von weit über hundert Millionen Geräten nicht zugunsten einer Next-Gen-Plattform aufgeben, die von den VerbraucherInnen aufgrund des Preisschocks nur zögerlich angenommen wird“, betont der Analyst. Dies wiederum verlängere die Entwicklungszyklen für Cross-Gen-Titel und lähme „den technischen Ehrgeiz, der normalerweise eine neue Generation auszeichnet“. Aus Sicht van Dreunens ergeben sich daraus zwei Trends: Erstens würden Exklusivtitel strategisch wieder wichtiger – denn wenn die Hardware teuer sei, müsse die Software den Verkauf ankurbeln. Zweitens tendierten die VerbraucherInnen immer mehr zu Formaten, die auch ohne signifikante Hardware-Investition spielbar seien – also Mobile-, Cloud- und Indie-Titel mit geringeren Systemanforderungen. „Die Ironie dabei ist, dass die technisch beeindruckendsten Spiele genau in dem Moment finanziell immer schwerer zu rechtfertigen sein werden, in dem die Hardware, auf der sie laufen, weniger erschwinglich wird“, sagt van Dreunen.
Installierte Basis von weit über hundert Millionen Geräten
Nische vermeiden
George E. Osborn sieht das ganz ähnlich. Auch er glaubt, dass jene Entwickler am meisten profitieren, die ihre Games an langsamere Gerätezyklen anpassen. „Es wird weiterhin viele Menschen geben, die bereit sind, für die leistungsstärksten Spiele auf dem Markt zu zahlen, um sie auf hochgerüsteten Geräten zu spielen“, sagt Osborn. „Diese Zielgruppe ist jedoch bereits eine Nische und wird es wahrscheinlich auch in Zukunft bleiben.“ Entwickler müssten sich gründlich überlegen, wie sie ein Publikum auf weniger leistungsstarken und breit gestreuten Plattformen erreichen könnten. „Andernfalls werden alle einem immer kleiner werdenden Kreis von Prestige-SpielerInnen hinterherjagen – und das für einen geringen Ertrag.“
Thomas Bedenk glaubt, dass Flaggschiffe wie GTA VI und auch Exklusivtitel die Spielenden weiterhin zu Hardware-Upgrades motivieren werden. „Allerdings gibt es auch hier die Schere aus immer teureren Produktionen und einer schrumpfenden installierten Basis der neueren Konsolengenerationen“, so Bedenk, „und das bei gleichzeitig enorm gestiegenen Absatzerwartungen durch die Großkonzerne und Investoren.“ Als starke Trends sieht der Strategieberater zum einen Cross-Platform-Titel und zum anderen Spiele, die über einen längeren Zeitraum als Haupthobby dienen könnten – siehe Minecraft, Fortnite oder Roblox. „Die Frage bleibt also, welche Titel sich langfristig etablieren können – und ob Exklusivtitel wirklich genügend Zugkraft für Hardware jenseits der 600 Euro besitzen“, sagt Bedenk. „Konsolen werden auch zunehmen iterativer und generischer – ich denke, eine radikalere Innovation wäre wieder nötig, um wirklich herauszustechen.“
Unmittelbar von den steigenden Hardware-Preisen betroffen ist natürlich auch der Handel. Wir wollten deshalb von einem Retailer wissen, wie er die Situation beurteilt – und wie er auf sie reagiert. Die Firma NETGAMES aus Gera wurde bereits 1997 gegründet und hat seit Beginn physische Games für sämtliche Konsolen im Programm. Anfangs sei seine Firma nur in Ostthüringen bekannt gewesen, erzählt Inhaber Sebastian Kraus. „Aber mit dem Aufkommen des Online-Handels sind wir für Gamer in ganz Deutschland eine bekannte Anlaufstelle geworden.“ NETGAMES arbeite seit Jahren mit fast allen Lieferanten in Europa und Asien zusammen, berichtet Kraus. Aus diesem Grund könne man den Kunden eine sehr große Auswahl an Games bieten – auch dann, wenn es bei einzelnen Herstellern Lieferprobleme gebe.
Keine Überbestände
„Preissteigerungen sind leider aktuell in jeder Branche zu beobachten“, sagt Kraus. Bei Hardware sei das durch den KI-Boom und den extremen Speicherbedarf natürlich extrem, „aber auch Mitnahmeeffekte können aus unserer Sicht nicht ausgeschlossen werden“. Wo es früher noch starke Angebotspreise im Hardware-Bereich gegeben habe, seien die Hersteller heute nicht in der Lage, überhaupt ausreichend Konsolen in den Markt zu drücken. „Und wo es keine Überbestände gibt, muss auch kein Abverkauf gemacht werden“, betont der NETGAMES-Chef. Zur Zeit sei der Handel froh, wenn er überhaupt Ware bekomme, deshalb seien auch keine speziellen Preisaktionen geplant. „Für die meisten Kunden ist der Preis noch okay beziehungsweise nachvollziehbar“, sagt Kraus. „Und da es keine Alternative gibt, wenn man aktuelle AAA-Titel spielen möchte, sind die meisten Kunden auch bereit, den Preis zu bezahlen.“ Bei PC-Hardware sehe das natürlich anders aus, da man hier einen stärkeren Wettbewerb unter den Herstellern habe. „Aber wer ein neues Sony-Spiel wie Marvel’s Wolverine spielen möchte oder sich jetzt schon auf GTA VI vorbereitet, der kommt leider an einer PlayStation nicht vorbei.“
Wie aber könnten sich die Hardware-Preissteigerungen mittelfristig auf die Nachfrage auswirken? Und wie würden sich noch teurere Next-Gen-Konsolen auf den Handel auswirken? Viele KundInnen seien durchaus bereit, für eine leistungsstarke Konsole wie etwa ein Pro-Modell „auch ein paar Euro mehr auf den Tisch zu legen“, sagt Sebastian Kraus. Genau das sei Sony und Microsoft sehr wohl bewusst. Allerdings glaubt Kraus, dass Sonys Disc-Absage die PS6 für viele Gamer unattraktiver mache; auch die mangelnde Bereitschaft zu der vormals üblichen Hardware-Subventionierung steigere nicht die Attraktivität. Wer seine Spiele künftig nur mit dem Sony-üblichen Aufschlag im PSN Store kaufen könne – und das ohne Chance auf Verleih und Gebrauchtverkauf –, der werden möglicherweise zum PC wechseln, vermutet Kraus. „Zwar sind auch hier die Preise hoch, aber dafür kann man über alternative Marktplätze seine Spiele günstig beziehen.“ Als Händler sieht Kraus kaum Möglichkeiten, auf den Preis der Hardware Einfluss zu nehmen. „Konsolen verkauft der Handel schon immer zum Selbstkostenpreis“, betont der Firmeninhaber. Die Konsolenhersteller würden nur dann über Preisänderungen nachdenken, wenn die Absatzzahlen deutlich hinter den Erwartungen zurückblieben. „Letztlich entscheidet die Nachfrage der Kunden darüber, wie lange sich ein höheres Preisniveau am Markt halten lässt“, sagt Kraus.
Letztlich entscheidet die Nachfrage
Konkurrenz mit Hyperscalern
Ist PC-Gaming also der Profiteur, wenn die Konsolenpreise in den Himmel steigen? „Bis zu einem gewissen Grad ja – aber weniger, als PC-Enthusiasten gerne glauben würden“, urteilt Joost van Dreunen. Schließlich seien die Preissteigerungen bei PC-Grafikkarten und -RAM sogar noch größer, weil PC-Hersteller direkt mit den KI-Hyperscalern um Hardware konkurrierten. „Was PC-Gaming jedoch bietet, ist eine gewisse Granularität“, sagt van Dreunen. „Man kann schrittweise aufrüsten, eine Generation überspringen oder den riesigen Back-Katalog auf bescheidener Hardware spielen.“ Konsolen hingegen seien eine Alles-oder-nichts-Anschaffung, so der Analyst. Allerdings sei PC-Gaming beileibe kein Zufluchtsort vor steigenden Kosten: „Das ist eine tröstliche Geschichte“, sagt van Dreunen. „Aber keine, die stimmt.“
George E. Osborn sieht PC-Gaming in der aktuellen Situation etwas besser aufgestellt als Konsolen-Gaming. Natürlich sei der Preisanstieg auch beim PC-Gaming deutlich spürbar: Der Spielraum für günstige PCs werde dadurch kleiner, während die Eintrittshürde für High-End-Gaming steige. Doch der PC habe gegenüber der Konsole einen klaren Vorteil, betont Osborn: Jede brauche einen PC, auch weil sich Tablets nicht im erwarteten Maße durchgesetzt hätten. Die Wichtigkeit von PCs für den (Arbeits)alltag motiviere die Menschen dazu, ihre Geräte zu behalten, sie upzugraden oder als erste zu ersetzen, so der Analyst. „Das verschafft PCs meiner Meinung nach bessere Voraussetzungen, um in einem Markt erfolgreich zu sein, in dem VerbraucherInnen schwierige Entscheidungen darüber treffen müssen, was sie aufrüsten.“ Doch auch hier müssten Entwickler künftig Consumer mit weniger leistungsstarken Geräten in den Fokus nehmen. Thomas Bedenk geht davon aus, dass sich immer mehr Spielefans auf bestehende Hardware und ihren Spiele-Backlog konzentrieren werden. „Zudem sehe ich einen noch nischigen, aber aufstrebenden Markt von verhältnismäßig günstigen Android-Gaming-Handhelds, die durch Software wie Steam OS und GameNative zunehmend kompatibel zu Steam-Games werden“, so der Experte. „Ich denke, auch der Gebrauchtmarkt für PCs und Konsolen wird dadurch gestärkt.“
Community reagiert
Wie aber sieht jemand die Lage, der sich täglich von Berufs wegen mit PC-Gaming befasst? Richard Engel ist redaktioneller Projektleiter bei PC Games Hardware – und beobachtet, dass die Preissteigerungen die Community stark umtreiben. „Unsere Leser beschäftigen sich als Enthusiasten sehr intensiv mit Hardware-Preisen“, so Engel. „Sie reagieren auf die aktuelle Horror-Entwicklung immer mehr mit längeren Upgrade-Zyklen, soweit eben möglich.“ Viele blieben aktuell bei ihrer Plattform, warteten auf bessere Angebote oder schauten sich stärker auf den Gebrauchtmarkt um, so der Journalist. „Das gilt derzeit natürlich besonders für RAM, SSDs und Grafikkarten. Auch Enthusiasten kaufen nicht um jeden Preis.“ Für die Berichterstattung von PCGH sei wichtig, was von den Preisen wirklich beim Käufer ankomme. „Deshalb schauen wir weniger auf abstrakte Marketing-Floskeln und stärker auf reale Straßenpreise, Preisentwicklungen sowie das Verhältnis von Performance zu Mehrkosten, gerade bei Sprüngen wie von der Mittel- zur Oberklasse.“ Entscheidend sei am Ende die Frage, ob man jetzt kaufen oder lieber noch warten solle. Genau hierbei berate PCGH die Verbraucher – mit Tests, Analysen, News und Videoformaten.
Skalierbarkeit und Optimierung
Markt- und Trendvorhersagen haben aus Sicht von Engel stets einen bitteren Beigeschmack. „Ich persönlich erwarte vor allem langsamere Hardware- beziehungsweise Upgrade-Zyklen, sowohl beim PC- als auch dem Konsolen-Markt“, sagt der Experte. „Das gilt auch für die Spieleentwicklung, wie man bei Blockbustern ohnehin schon ewig beobachten kann.“ Wer als Consumer seine Grafikkarte, den Arbeitsspeicher oder den gesamten PC länger nutze, verschiebe auch die technische Basis des Marktes langsamer nach oben. „Skalierbarkeit und Optimierung werden für Entwickler jetzt wichtiger als noch vor zehn Jahren“, betont Engel. „Damals konnten niedrige Bildraten noch mit High-End-Hardware halbwegs bezahlbar ausgeglichen werden. Heute ist eben jene unbezahlbar teuer geworden – man blicke nur zur Geforce RTX 5090 ab 4.000 Euro.“ Kein Entwickler könne einfach voraussetzen, dass die Verbraucher die steigenden Hardware-Anforderungen einfach mitgingen – stattdessen würde ein Großteil der Consumer länger auf älteren Systemen weiterspielen. Einen massenhaften Wechsel vom PC zur Konsole sieht Engel ohnehin nicht. „Wahrscheinlicher ist, dass Anwender und Spieler insgesamt schlicht später und gezielter investieren, abgekapselt vom vorhandenen Ökosystem. Der PC bietet da rein nüchtern betrachtet die größte Wahlmöglichkeit … an allem, also Hardware, Software, Spielen und so weiter.“
Halten wir fest: Die steigenden Hardware-Preise stellen Hersteller, Entwickler und Händler für große (und nur bedingt absehbare) Herausforderungen. Wer längere Konsolenzyklen und moderate Hardware-Anforderungen nicht ausreichend berücksichtigt, dürfte am Markt Probleme bekommen. (Achim Fehrenbach)