
„Grand Theft Auto“ gehört zu den fünf erfolgreichsten Spiele-Franchises aller Zeiten. Mit über 430 Millionen verkauften Einheiten liegt die Gangster-Serie von Rockstar vor Marken wie „Call of Duty“, „FIFA“ beziehungsweise „EA Sports FC“, „Die Sims“ und auch „Minecraft“. Fast die Hälfte der Verkäufe entfällt auf den neuesten Ableger „Grand Theft Auto 5“. Mit über 200 Millionen verkauften Einheiten ist es das mit Abstand erfolgreichste Spiel der Reihe.
Allerdings erschien das Gangster-Abenteuer bereits 2013 und ist damit mehr als zehn Jahre alt. Dem Entwickler Rockstar North ist es jedoch gelungen, „Grand Theft Auto 5“ über die Jahre in aller Munde zu halten. Dies geschah zum einen durch Portierungen für den PC und später auch für Microsofts Konsolen der Xbox-Series-Reihe und die PlayStation 5. Viel entscheidender für den langfristigen Erfolg waren aber die Multiplayer-Optionen in Form von „Grand Theft Auto Online“. Nicht nur, dass die Entwickler hier regelmäßig Inhalte veröffentlichten und ein eigenes Ökosystem schufen. Im Creator-Bereich wurde „GTA Roleplay“ zu einer der tragenden Säulen des Streaming-Sektors. Dabei steht weniger das klassische Spielerlebnis als vielmehr das improvisierte Rollenspiel im Vordergrund. Der Unterhaltungswert ist enorm. Zu den deutschen Top-Streamern gehören unter anderem Jerzy oder Heideltraut, die mit jedem Stream tausende Zuschauer vor die Bildschirme locken.
Der Unterhaltungswert ist enorm
„Grand Theft Auto VI“ wird für Herbst oder Winter 2025 erwartet. Rockstars Mutterkonzern Take-Two betonte noch im Februar, dass 2025 eines der „stärksten Jahre seiner Geschichte“ sein werde. In der Liste der Ankündigungen taucht auch „GTA VI“ als wichtiges Spiel auf: „Wir haben gerade Sid Meier’s Civilization 7 veröffentlicht und im März erscheinen PGA Tour 2K25 und WWE 2K25. Mafia: The Old Country folgt im Sommer, GTA VI im Herbst und Borderlands 4 noch vor Jahresende.“ In dieser Aufzählung ist das Open-World-Spiel nur eines von vielen, aber de facto ist es nicht nur das wichtigste Spiel des Jahres für Take-Two, sondern könnte – gemessen am Erfolg des Vorgängers – auch eines der größten Spiele der nächsten zehn Jahre werden.
Vorfreude ist die schönste Freude
Wie bei Rockstar North üblich, hält man sich im Vorfeld mit Marketing- und PR-Eskapaden zurück. Wo andere Entwickler und Publisher Journalisten und Creator zum ausgiebigen Probespielen einladen oder große Kampagnen fahren, hält man sich bedeckt. Das schürt einerseits die Spekulationen im Netz, andererseits aber auch die Vorfreude.
Dass „GTA VI“ das Potenzial zum Mega-Erfolg hat, zeigt sich aber schon jetzt. Die Marke „Grand Theft Auto“ lebt, das unterstreichen beispielsweise die Zugriffszahlen auf den ersten offiziellen Trailer. Allein die Ankündigung erreichte auf der Social-Media-Plattform X (ehemals Twitter) zwei Millionen Likes und über 150 Millionen Impressions. Den Trailer selbst veröffentlichte Rockstar North am 5. Dezember 2023 und damit früher als geplant, da ein Leak dem Team einen (kleinen) Strich durch die Rechnung machte. Dem Erfolg tat dies jedoch keinen Abbruch. Das 90-sekündige Video brach Rekorde: Der Trailer erreichte innerhalb der ersten 24 Stunden über 90 Millionen Aufrufe auf YouTube und ist damit die meistgesehene Videospiel-Ankündigung aller Zeiten. Dass er dabei auch noch 8,9 Millionen „Daumen nach oben“ erhielt und damit den nächsten Rekord knackte, verwundert nicht. Mittlerweile sind es übrigens über zwölf Millionen Likes und fast eine Million Kommentare!
Allein auf dem offiziellen YouTube-Kanal von Rockstar wurde der Trailer zu „GTA VI“ bisher 246 Millionen Mal angesehen. Nicht eingerechnet ist hier die Reichweite, die durch Reaction-Videos, Analysen und News-Beiträge generiert wurde. Diese Berichterstattung dürfte die Reichweite mindestens verdoppelt haben. Diese Zahlen zeigen: „GTA VI“ ist DAS Hype-Thema des Jahres 2025 und bestimmt die Schlagzeilen – wenn es denn welche gibt.
Die meistgesehene Videospiel-Ankündigung aller Zeiten
Preisfragen
Eine Frage blieb allerdings bis zum Redaktionsschluss von IGM ungeklärt: Wie teuer wird „GTA VI“? Schon vor Wochen waren mögliche Preise durchgesickert und mit 80 bis 100 US-Dollar beziffert worden. Sowohl Brancheninsider und Analyst Matthew Ball von Epyllion als auch Michael Pachter von Wedbush Securities halten diese Entwicklung für plausibel. „Wir glauben, dass das Unternehmen plant, das Spiel zu einem bisher unerhörten Preis zu verkaufen, und vermuten, dass das Management den Verbrauchern einen Anreiz bieten kann, 100 Dollar oder mehr pro Stück zu zahlen, indem es sie mit einer großen Menge an Spielwährung belohnt, die sie in GTA Online ausgeben können“, so Pachter.
Als Gründe für eine grundsätzliche Preiserhöhung werden unter anderem die gestiegenen Produktions- und Personalkosten in Verbindung mit der zuletzt hohen Inflation genannt. Auch aus der Industrie selbst kommen positive Stimmen für eine Preiserhöhung. So erklärte Michael Douse, Head of Publishing bei den Larian Studios (bekannt durch „Baldur’s Gate 3“), via X, dass die Kosten für die Entwicklung qualitativ hochwertiger Spiele die Preisentwicklung übersteigen würden. Von „GTA VI“ könnte daher auch eine Signalwirkung für die Preisentwicklung ausgehen, die einerseits die bisher einheitliche Preisgestaltung aufbricht, andererseits aber auch die Preise nach oben treibt.
Signalwirkung für die Preisentwicklung denkbar
Der Einfluss auf die Branche
Eine Prognose dürfte jedoch relativ sicher sein: Wenn „GTA VI“ auf den Markt kommt, wird es diesen dominieren. Ein Flop scheint angesichts der bisherigen Erfolgsgeschichte von Rockstar North nahezu ausgeschlossen. Denn egal, ob „Grand Theft Auto“ oder „Red Dead Redemption“ – die selbst entwickelten Großproduktionen konnten stets punkten und die Massen anziehen.
Geht man davon aus, dass „GTA VI“ zum Weihnachtsgeschäft 2025 auf den Markt kommt, bedeutet dies auch, dass neben diesem Spiel wenig Platz sein wird. Denn ein „Grand Theft Auto“ fesselt die Spielerinnen und Spieler über Tage und Wochen. Das bedeutet aber auch, dass viele Konsumenten auf den Kauf weiterer Games verzichten und sich zunächst voll und ganz auf das neue „GTA“ stürzen werden. Dies birgt die Gefahr, dass sich auch qualitativ hochwertige Produktionen (zunächst) schlechter verkaufen als geplant. Dass die Publisher auf das Erscheinen von „GTA“ reagieren und ihre eigenen Veröffentlichungen entweder vorziehen oder deutlich verschieben, erscheint daher logisch und wirtschaftlich konsequent. Zuletzt machte es Ubisoft vor und verschob „Assassin’s Creed Shadows“ aus dem mit Titeln wie „Kingdom Come Deliverance 2“, „Like A Dragon: Pirate Yakuza in Hawaii“ oder „Monster Hunter Wilds“ überfüllten Februar auf den 20. März 2025. Zwar wurde hier offiziell das Qualitätsmanagement als Grund genannt, eine strategische Verschiebung erscheint aber ebenso sinnvoll.
Auch wenn auf die Branche ein kleines „GTA“-Loch zukommen könnte, erwarten Analysten, dass die Veröffentlichung die zuletzt schwächelnde Spieleindustrie wieder ankurbeln wird. Schließlich zieht ein neues „Grand Theft Auto“ immer die Aufmerksamkeit des Mainstreams auf sich und könnte so neue und alte Konsumenten zum Kauf animieren. Erste Analysen von DFC Intelligence gehen von einem Pre-Order-Umsatz von einer Milliarde US-Dollar aus. Im ersten Jahr könnte das Spiel sogar über drei Milliarden US-Dollar in die Kassen von Take-Two spülen. Zum Vergleich: Der Vorgänger spielte in den ersten 24 Stunden 800 Millionen und in den ersten drei Tagen über eine Milliarde US-Dollar ein. Dass „GTA VI“ den Vorgänger nach der hier skizzierten Erfolgsgeschichte noch übertreffen wird, erscheint nur logisch. Der nächste Streich von Rockstar wird – auch wenn im Vorfeld so wenig Konkretes darüber bekannt war – wie ein Donnerhall nachhallen. (ob/bpf)