„Wir bauen jedes Jahr um“: Ein Interview mit Nerdzentrale-Inhaber Vincent Kolb

Zehn Gehminuten von der Karlsruher Innenstadt entfernt liegt ein Ort, der nicht nur die Herzen von Spielefans höher schlagen lässt: die Nerdzentrale. Den Laden in der Südweststadt gibt es seit 2018; auf rund 100 Quadratmetern Verkaufsfläche bietet Inhaber Vincent „Vince“ Kolb zusammen mit seiner Frau Esther, einem festangestellten Mitar­beiter und einem Minijobber ein umfangreiches Sortiment an Games und Popkultur-Produkten. Ein Interview über Kundenvorlieben, Flexi­bilität und die Zukunft des stationären Spielehandels.
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Vincent „Vince“ Kolb

IGM: Vince, wie läuft das Geschäft?

Vincent Kolb: Es reicht zum Leben. Ich kann jetzt sogar einen Mitarbeiter voll bezahlen, der davon leben kann. Meine Frau und ich hungern nicht. Ich bin vor eineinhalb Jahren Papa geworden und kann den Kleinen auch mit durchfüttern. Also eigentlich der Traum: Ich kann von dem leben, was ich liebe – ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Allerdings habe ich dadurch mein Hobby verloren (lacht).

IGM: Warum hast du dich für diesen Standort entschieden?

Kolb: Hier gab es vorher einen anderen Händler, der hieß Feebay, bei dem war ich guter Kunde. Er hatte aber keine Lust mehr und wollte aufhören – und wir sind dann ins Gespräch gekommen, dass er den Laden verkaufen will.  Mit dem Kauf habe ich dann viel umgestellt. Ich habe das Games-Angebot ausgebaut, viel von dem Zeug ohne Nerd-Bezug rausgeschmissen und es durch Sammelkarten, Figuren und Manga ersetzt. Anime-Figuren sind bei uns sehr groß. Außerdem haben wir im Laden eine Ecke mit Smartphones – das ist ein Überbleibsel vom vorigen Laden. Wir haben da ein paar treue Stammkunden, deshalb behalte ich das bei.

IGM: Was hast du noch im Sortiment?

Kolb: Filme haben wir auch noch, obwohl mir alle davon abraten, weil die – im Vergleich zum Umsatz – echt viel Platz wegnehmen. Aber auch da haben wir Stammkunden. Das sind Filme auf DVD, Blu-ray und sogar VHS. Auch mit Hörkassetten haben wir jetzt angefangen, das läuft echt gut. Die Kassetten kosten einen Euro das Stück, daran verdienst du nichts, aber die Leute finden es toll, dass sie es bei dir finden. Wir haben auch ein bisschen Lego im Sortiment.

IGM: Wie sieht eure Kundenstruktur aus?

Kolb: Die ist ganz anders, als ich mir das bei der Eröffnung des Ladens vorgestellt hatte. Die Kundschaft reicht von Eltern mit kleinen Kindern, die etwas von Pokémon kaufen, bis hin zu Senioren über 80, darunter viele Filmfans.

IGM: Wie ist euer Laden strukturiert?

Kolb: Wir bauen jedes Jahr um. Gerade haben wir ein neues Regal bekommen und bekommen weitere im Winter. Mein Mitarbeiter, der früher bei MediaMarkt war, hat gute Tipps für den Umbau. Ich selbst habe Handel nicht wirklich gelernt, ich bin gelernter Elektriker. Zur den Schwerpunkten: Videospiele, Konsolen und Trading Cards sind über die Jahre wichtiger geworden. Als ich mit Trading Cards anfing, war das ein kleines Nischending und die Kiddies haben sich gefreut, dass ich es da hatte. Ich habe Pokémon-Karten reduziert verkauft und war froh, dass sie weggingen. Ich konnte auch nachbestellen, so viel ich wollte.

IGM: Verkauft ihr neue Games?

Kolb: Neuware ist für einen kleinen Laden wie uns super schwierig, weil man da fast keine Marge hat. Wenn ich sie zum UVP verkaufen würde, wären es vielleicht 14 Euro. Aber du kannst die Spiele nicht zum UVP verkaufen, weil der MediaMarkt da ein Konkurrent ist – deren Preise kannst du nicht mitgehen. Wenn die Kunden es wünschen, bestelle ich ihnen die neuen Spiele, dann verdiene ich nach Versand etwa vier Euro an einem neuen Spiel. Das ist okay: Der Kunde will das Spiel bei dir kaufen, der Kunde konnte es bei dir kaufen, das ist Kundenpflege, das macht man gern. Es geht da nicht ums Geldverdienen, der Laden lebt nicht davon. Aber ich bin über die Jahre oft auf die Schnauze gefallen, wenn ich fünf oder sechs Exemplare von einem Spiel gekauft habe, das eigentlich alle wollten. Und dann hast du das Spiel im Regal stehen – und wenn es da nach ein bis zwei Tagen immer noch steht, weißt du: Okay, jetzt fange ich an, Minus zu machen. Denn die Kunden haben es dann alle schon bei MediaMarkt gekauft. Es ist immer nach hinten losgegangen, wenn ich Games für die großen Konsolen auf Lager bestellt habe. Was allerdings nicht nach hinten losgeht, ist Evercade.

 

Du kannst die Spiele nicht zum UVP verkaufen

 

IGM: Sagt mir jetzt auf Anhieb wenig ...

Kolb: Das ist eine Firma, die eine eigene stationäre Konsole und ein Handheld rausgebracht hat – und dafür werden alte Spiele neu veröffentlicht. Zum Beispiel habe ich mir kürzlich die Activision Collection mit den alten Klassikern von der ColecoVision und dem Atari 2600 gekauft. Das war also richtig retro. Für Evercade gibt es jetzt aber auch die Rare Collection, da ist Banjo-Kazooie mit dabei.

IGM: Wer sind da die Publisher?

Kolb: Meistens neue Firmen, die bei den Lizenzinhabern anfragen, ob sie die Spiele wieder releasen dürfen. Die Firma Piko zum Beispiel hat verschiedene Games rausgebracht. Es gibt aber auch viele Traditionsfirmen, die ihre Games jetzt neu als Evercade-Module rausbringen. Das ist genau das, was Sammler heute haben wollen. Besonders dann, wenn sie bei Sony künftig kein Zuhause mehr finden, weil es für die PlayStation keine Discs mehr gibt.

IGM: Erreicht ihr mit der Evercade auch Leute unter 20?

Kolb: Mit der Evercade tatsächlich nicht. Allerdings kommen hier sehr viele Eltern her, die ihren Kindern hier einen Gameboy oder Gameboy Color kaufen. Von ihrem Taschengeld holen sich die Kinder dann ständig neue Gameboy-Spiele – ich habe hier eine kleine Vitrine dafür. Die Evercade kaufen hier eigentlich nur Leute über 30. Ich kannte die Konsole ursprünglich gar nicht, weil das Marketing an mir vorbeiging oder nicht existent war. Die Kunden haben mich dann darauf aufmerksam gemacht. Inzwischen gibt es die Evercade-Konsole und -Spiele auch bei MediaMarkt und bei Müller. Und die Spiele sind halt auch echt günstig – sie kosten neu zwischen 25 Euro und 30 Euro. Das ist auch wirklich fair und deutlich günstiger, als wenn man die Spiele einzeln im Retro-Markt kaufen würde – da sind die Preise echt eklig geworden. Aber mit der Evercade bekommst du für kleines Geld super Spiele. Die Konsole selbst verkaufen wir auch, die bekommen wir von Vitrex.

IGM: Wie wichtig sind Gebrauchtspiele für euer Geschäft?

Kolb: Gebrauchtspiele sind noch sehr groß. Es hat zwar etwas nachgelassen – das wird aber durch das Geschäft mit den Karten aufgefangen. Die meisten Gebrauchtspiele verkaufen wir tatsächlich nicht für die PS5, sondern für PS4 und Switch. Bei der Switch hast du halt auch die Casual-Leute mit dabei. Bei der PS4 sind es die Leute, die noch eine Konsole haben und am Wochenende irgendwas zocken wollen. Bei der PS5 hast du die Casual-Leute verloren, weil die alles über den PlayStation Store kaufen. PS5-Spiele kaufen eher noch die Sammler, die das dann zuhause stehen haben wollen. Bei PS3-Spielen könnte ich ein größeres Angebot ausstellen, aber da ist die Nachfrage nicht so hoch. Da gebe ich den Platz lieber der PS4, die noch gut läuft. Aber das Ganze wird auch immer wieder ausgetauscht, damit die Leute jede Woche etwas Neues sehen.

IGM: Was sagst du zum angekündigten Disc-Aus von Sony?

Kolb: Ich fand es super doof, erst anzukündigen, dass man den Leuten die digitalen Filme, deren Lizenz abgelaufen ist, ohne Entschädigung wegnimmt – und kurze Zeit später zu sagen, dass es in zwei Jahren keine Discs mehr gibt. Wer für die Kommunikation verantwortlich ist ... da lässt man doch lieber ein halbes Jahr lang Gras über die Sache wachsen. Dann hätten viele Konsumenten keine Verbindung mehr zwischen beiden Dingen hergestellt. So aber sagt Sony zuerst: „Das, was du digital gekauft hast, gehört dir nicht.“ Und dann: „Ach, übrigens, wenn du dachtest, die Disc sei deine Rettung – die gibt es bald auch nicht mehr.“

IGM: Wie laufen Xbox-Games bei euch?

Kolb: Microsoft produziert Discs nur noch als Alibi. Das sind superkleine Auflagen – im MediaMarkt ist die Abteilung für Xbox quasi nicht existent. Das sind zehn Spiele – und die Hälfte davon Software-Pyramide. Viele Xbox-Games kommen auch gar nicht mehr auf Disc bei uns raus. Ich habe einen Kunden, der sammelt nur Xbox, dem muss ich die Spiele als UK Fassung bestellen, weil es gar keine deutsche Fassung mehr gibt. Bei Xbox ist es vorbei. Xbox-Kunden sind Digitalkunden.

 

Die Switch 1 läuft sehr gut

 

IGM: Wie laufen die Switch-Konsolen?

Kolb: Die Switch 1 läuft sehr gut. Aber bei der Switch 2 merke ich den Digitaltrend im Ankauf. Wenn du als Händler eine Konsole ankaufst, hast du immer ein Stapel Spiele mit dabei. Wenn du die Switch 2 ankaufst und nach Spielen fragst, heißt es: „Die habe ich alle digital gekauft.“ Die Switch 2 funktioniert zu 80 Prozent digital. Wobei das eine Schätzung ist – verlässliche Zahlen habe ich dazu nicht. Aber von von zehn Switch 2, die ich ankaufe, sind acht ohne Spiele.

IGM: Ihr bietet auch quasi neue Gebrauchtspiele. Was für Titel sind das dann?

Kolb: Das sind vor allem Story-Games. Pragmata beispielsweise war super schnell da. Pokémon Pokopia, das viele Kunden angefragt hatten, dauerte länger. Das ist ja ein Aufbauspiel, das spielt niemand in zwei Tagen durch.

IGM: Aber generell sind das Leute, die viele neue Games spielen wollen und sie dann auch besonders schnell spielen, um sie zügig wieder verkaufen zu können ...

Kolb: Genau, und das ist ja auch der große Vorteil an physischen Exemplaren. Man kauft sich das Spiel für, sagen wir mal, 70 Euro, spielt es schnell durch und verkauft es uns dann für 35 bis 40 Euro. Wir machen bei diesen neuen Spielen etwa 10 Euro Gewinn. Es geht mir auch einfach darum, dass ich es vorrätig habe. Dass die Kunden sich freuen und sagen: „Beim Vince bekommst du die neuen Spiele immer günstig.“ Da geht es mir gar nicht um den Gewinn, sondern einfach um das Standing in der Community. Dann habe ich eben meine paar Leute, die es gleich durchspielen und mir dann bringen. Dadurch bekomme ich einen unschlagbaren Preis für eine Neuheit.

IGM: Wir haben kürzlich den Händler GameBROS! aus Hamburg interviewt. Der Geschäftsführer sagte, dass er keine Konsolen ohne Laufwerk verkauft, weil er dadurch Kunden verliert.

Kolb: Wenn einer zu mir kommt und möchte die PlayStation 5 digital haben, dann finde ich das natürlich nicht gut. Ich erkläre dem Kunden dann noch mal, was das bedeutet: Du hast Preiszwang, du kannst nur bei Sony kaufen. Wenn du die Konsole mit Laufwerk holst, kostet das 50 Euro mehr, aber du kannst die Spiele bei mir kaufen. Und ich habe PS5-Spiele für unter 10 Euro da – und natürlich auch die neuen Gebrauchtspiele für 45 Euro. Klar, im PlayStation Store gibt es immer mal Spiele, die im Angebot sind. Aber oft kosten dort die Spiele 60 bis 70 Euro, die ich hier für 10 oder 20 Euro anbiete. Das bedeutet: Du verbrennst dadurch dein Geld. Aber es gibt natürlich Kunden, die trotzdem eine rein digitale PS5 kaufen, weil sie nur ein ganz bestimmtes Spiel spielen wollen. Ich habe auch so viele digitale PS5-Konsolen verkauft wie lange nicht mehr, weil die Leute sagen: „Es kommt ja eh nur noch digital raus oder als Code in a Box.“

IGM: So wie GTA VI im November ...

Kolb: Alle Kunden wollten bei mir GTA vorbestellen, aber ich habe gesagt: „Das unterstütze ich nicht, das gibt es bei mir nicht.“ Aber wenn einer eine digitale Konsole kaufen will, verlieren ich ihn nicht unbedingt als Kunden. Die Controller sind so schäbig, dass sie nach einem Jahr sowieso kaputtgehen. Dann kommt der Kunde doch wieder in meinen Laden und kauft einen Controller – oder etwas aus unserem großen Angebot von Anime-Figuren. Und wenn er wirklich nur für die Konsole vorbeigekommen ist, dann hat er wenigstens die bei mir gefunden und war glücklich. Aber die Zusatzverkäufe verschwinden bei der digitalen Konsole, das stimmt.

IGM: Verkauft ihr Gutscheinkarten für die Download-Stores?

Kolb: Die habe ich überhaupt nicht da. Ich werde zwar wöchentlich danach gefragt. Aber du verdienst daran nichts, wir reden da von Centbeträgen. Klar, das ist ein Zusatzverkauf – aber ich will es auch gar nicht. Das ist ja wirklich gegen mein Geschäft.

IGM: Wie hat sich der Rückzug von GameStop auf euer Geschäft ausgewirkt?

Kolb: Ich bin tatsächlich traurig, dass GameStop weg ist. Früher gab es in Karlsruhe zwei Filialen – und ich habe die nie als Konkurrenten gesehen, weil ich mit den Mitarbeitern cool war. GameStop an sich, der Konzern, war absolut fragwürdig, aber die Mitarbeiter waren nett. Die kommen auch heute noch zu mir, früher haben wir mit denen auch zusammengearbeitet. Wenn ich ein Spiel nicht vorrätig hatte, habe ich sie zu GameStop geschickt. Der erste Karlsruher GameStop hat schon 2021 geschlossen und der zweite 2023. Seitdem kommt die GameStop-Kundschaft komplett zu uns. 90 Prozent der GameStop-Kunden kannten mich ohnehin schon.

IGM: Wie ist die aktuelle Konkurrenz vor Ort?

Kolb: Den Karlsruher MediaMarkt sehe ich nicht als Konkurrenz – ich habe mit den Leuten dort ein kollegiales Verhältnis. Bestimmte Bereiche bedienen die ja auch gar nicht, zum Beispiel PS3-Games. Meinen Mitarbeiter habe ich übrigens von MediaMarkt abgeworben – der hat dort sein Handwerk gelernt. In Karlsruhe gibt es auch eine Müller-Filiale, meines Wissens eine der größten in Deutschland. Da gehe ich selbst hin, wenn ich etwas Neues brauche und nicht selbst bekomme.

IGM: Hast du schon mal über einen Standortwechsel nachgedacht? Also beispielsweise in Richtung Innenstadt ...

Kolb: Ich bekomme immer wieder Angebote, den Standort zu wechseln, aber ich bin ein bisschen sentimental und hänge an diesem Ort. Ich mag meine Nachbarn. Gegenüber ist ein Edeka, da kenne ich alle Mitarbeiter mit Namen – und alle kennen mich, man sieht sich jeden Tag. Ich würde es wahrscheinlich nicht schaffen, den Standort zu wechseln, obwohl ich mehr Platz bräuchte. Eine Option wäre eher ein zweiter Laden, mit dem man die Themenbereiche aufsplitten kann.

IGM: Sprechen wir noch ein bisschen über euer Sortiment. Welche Trading Card Games machen den größten Umsatz?

Kolb: Definitiv Pokémon. Ich verkaufe zwar auch Magic-Neuware, weil die Kunden sie nachfragen, aber Einzelkarten verkaufe ich nicht, weil ich mich damit nicht wirklich auskenne. Die anderen TCGs kann ich stärker bedienen. Ich bin Jahrgang 94, meine ersten Trading Cards waren von Pokémon und Yu-Gi-Oh! Pokémon habe ich nur gesammelt, aber Yu-Gi-Oh! sehr intensiv gespielt. Cardfight Vanguard – und was noch so alles rauskam – hatte ich dann auch. Aber um Magic habe ich immer einen Bogen gemacht (lacht).

 

Der Laden würde ohne Retro gar nicht existieren

 

IGM: Wie wichtig sind für euch Retro-Games – und wo liegen die Schwerpunkte?

Kolb: Der Laden würde ohne Retro gar nicht existieren. Retro ist meine Leidenschaft und der Grund, warum ich das überhaupt mache. Wir haben von den frühen Pong-Konsolen über den Atari 2600 bis heute für jede Konsole etwas da. Wir haben sogar Spiele für 3DO, für PC Engine und Neo Geo. Viel für Playstation und Gameboy, aber auch für Sega Master System, Mega Drive. Alles, was irgendwie Spaß macht!

IGM: Kaufst du die Retro-Sachen auch übers Internet an?

Kolb: Nee, ich bekomme das wirklich nur von Leuten, die vorbeikommen und Sachen aus dem Keller verkaufen – oder von Sammlern, die Dubletten verkaufen. Das ist bei mir wirklich Ankauf von privat, da wird nichts im Internet zugekauft. Am Anfang war das zwar die Idee, aber ich werde so überschüttet mit Ware und habe keinen Platz mehr, dass ich gar nicht mehr online zukaufen muss.

IGM: Wie wichtig sind Peripherals für euer Geschäft, zum Beispiel Lenkräder?

Kolb: Lenkräder verkaufe ich, zum Leidwesen meiner Angestellten. Die hassen es, die Dinger zu testen und zu putzen, weil das so lange dauert. Ansonsten gab es früher viel mehr lustiges Zubehör. Die Buzz-Controller für die Playstation 2, die SingStar-Con­troller. Heute hast du die USB-Mikrofon-Controller, die für alle Konsolen gleich sind. Das lustige Con­troller-Zubehör verschwindet. In Japan hast du es noch, zum Beispiel die Trommel-Controller für Taiko no Tatsujin Rhythm Festival – von denen habe ich gerade welche da.

IGM: Für Simulatoren gibt es doch noch einiges an Peripherals ...

Kolb: Für den Landwirtschafts-Simulator gibt es super Lenkräder. Aber ich bin überhaupt nicht im PC-Gaming drin. Ich selbst hatte noch nie einen Gaming-PC und verkaufe auch kaum etwas dafür. Ich habe zwei Flight Sticks da, aber die stehen hier auch schon seit zwei Jahren. Bei PC-Gaming geht also überhaupt nichts – aber das liegt natürlich auch daran, dass ich nicht die entsprechende Kundschaft anziehe.

IGM: Wie wichtig ist für euch Merch?

Kolb: Zu Beginn habe ich es mit T-Shirts probiert. Das hat wahrscheinlich auch deshalb nicht gut geklappt, weil ich nicht alle Größen da hatte – nur M, L und XL. Wahrscheinlich passten auch die Motive nicht. Außerdem haben die T-Shirts im Laden viel Platz weggenommen und wurden auch schnell staubig. Die Kunden hätten es auch nicht toll gefunden, wenn wir die Etiketten abmachen, um die T-Shirts zu waschen. Hinzu kommt, dass wir hier in Karlsruhe einen Elbenwald-Shop haben – mit dem kann ich bei T-Shirts nicht konkurrieren, deshalb haben wir das mit den Klamotten wieder aufgegeben. Das Geschäft mit Figuren ist auch nicht ganz einfach.

IGM: Inwiefern?

Kolb: Wenn du Figuren verkaufst, musst du genau wissen, was gerade bei Anime beliebt ist. Die Figuren musst du ein Jahr oder ein halbes Jahr im Voraus bestellen. Wenn du dich nicht gut auskennst, setzt du dich vielleicht in die Nesseln und kaufst blöde Figuren. Oder der Container mit den Figuren bleibt auf dem Meer hängen und du bekommst deine Halloween-Figuren zu Weihnachten – so war das letztes Jahr bei uns. Dieses Jahr kam unsere Osterware zu spät an, die verkaufe ich jetzt eben nächstes Jahr.

IGM: Die Figuren werden ja oft auch nur in limitierter Auflage hergestellt ...

Kolb: Es gibt da unterschiedliche Preisbereiche. Einfache Figuren zwischen 25 und 45 Euro sind nicht limitiert, das ist Massenware. Und dann gibt es die teuren, limitierten Figuren – zum Beispiel jetzt gerade eine Nico-Robin-Figur aus One Piece, die bei ca. 600 Euro liegt. Figuren ab 200 Euro bestelle ich nicht auf Lager, nur auf Kundenwunsch. Wir verkaufen aber auch gebrauchte Figuren.

IGM: Wie wichtig ist für euch der Online-Handel?

Kolb: Wir machen etwa 80 Prozent unseres Umsatzes im Ladengeschäft und die restlichen 20 Prozent online. Meine Kollegen von anderen Stores sind von den Zahlen immer schockiert, weil bei denen der Online-Handel deutlich wichtiger ist. Ich komme aber auch einfach nicht dazu. Wir würden online gerne vergrößern, aber der Laden braucht so viel Zeit. Außerdem bräuchten wir mehr Platz für die Versandartikel. Die Sachen, die du gelistet hast, musst du ja auch finden. Beim Online-Verkauf sind wir durchaus schnell, wir verkaufen über Amazon, da ist man ja gezwungen, innerhalb von einem Tag zu verkaufen. Wir sind auch auf ebay Kleinanzeigen aktiv, unser größtes Online-Geschäft ist aber Cardmarket. Das ist der größte digitale Sammelkarten-Marktplatz in Europa, eine Art ebay für Sammelkarten.

IGM: Auf eurer Website karlsruher-ankauf.de gibt es ein lustiges Video, in dem ihr euch selbst durch den Kakao zieht. Macht ihr generell viel auf Social Media?

Kolb: Wir sind vor allem auf Instagram aktiv. Generell bin ich aber eher kamerascheu. Das Video hat Reedeema gedreht, ein ziemlich großer YouTuber, der eine eigene Videoproduktionsfirma hat und mit dem ich mich auch privat gut verstehe. Reedeema stellt meinen Laden seit Jahren immer wieder in seinen Videos vor, er macht also quasi unbezahlte Werbung für mich. Ich bin ihm dafür super dankbar und habe ihm für dieses Video dann auch etwas gezahlt. Wen ich auch wirklich gut leiden kann, ist der Raketenjansel, ein großer YouTuber, der auch in dem Video mitspielt. Überhaupt kommen immer wieder Retro-YouTuber aus ganz Deutschland in meinen Laden, weil sie mein Angebot zeigen wollen. Die kommen nach Karlsruhe nur wegen mir, das hätte ich nie gedacht!

IGM: Was denkst du, wie es mit dem stationären Handel weitergeht?

Kolb: Das Geschäft mit neuen Konsolenspielen wird wegfallen. Wenn man irgendwann nur noch digitale Kopien verkaufen kann, werde ich da nicht mitmachen, das ist einfach nicht meine Welt. Es wurde ja schon darüber diskutiert, dass man seine Lizenz verkaufen und das Spiel auf eine andere Konsole schieben kann. Dafür müsste Sony aber einen Marktplatz schaffen, und ich glaube nicht, dass das kommt. Ja, dann habe ich halt nur noch das Geschäft mit den Konsolen selbst. Ich habe mich aber von Anfang an nicht nur auf die Spiele verlassen, sondern Anker in mehreren Produktbereichen gesetzt. Wenn der Games-Bereich kleiner wird, muss ich etwas anderes größer machen, zum Beispiel Lego. Ich habe tonnenweise Legosteine auf Lager, wir könnten das Angebot also noch ausbauen. Oder vielleicht kommt auch wieder etwas ganz Neues.

IGM: Klingt nach einer Perspektive für deinen Laden ...

Kolb: Ich habe eigentlich schon vor, das noch ein paar Jahre zu machen. Mein ursprüngliches Ziel waren mindestens sechs Jahre, weil mein Vorgänger das Geschäft schon sechs Jahre hatte und ich es auf gar keinen Fall kürzer leiten wollte. Mit acht Jahren habe ich ihn inzwischen geschlagen (lacht). Wenn ich das jetzt noch vier Jahre machen könnte, wäre das schön. Ich habe noch keinen konkreten Exit geplant. Ich schaue mal, wie lange es geht – und wenn es nicht mehr geht, höre ich auf. Ich mache es eben so lange, wie ich davon leben kann und wie ich meine Jungs bezahlen kann, eventuell auch durch Umstrukturierung des Geschäfts. Am liebsten würde ich natürlich bis zur Rente weitermachen. (Achim Fehrenbach)

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